FASHION LIFESTYLE

In Berlin, oh Gott, wie wannabe du bist.

28. November 2015
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Ich habe ein Berlin Update geschrieben, wie ja sicher viele von euch mitbekommen haben – ist ja auch nicht so schwer, ist ja der letzte Post vor diesem hier, der gestern online ging, aber gut. Ich habe also den Post angeteasert auf Instagram, Facebook und Co. – wie immer – und einen Shitstorm geerntet. Eigentlich ganz cool, ich hatte noch nie einen – bin ich jetzt endlich berühmt? Ja?Ne?Ne?Ja?

Vor allem, wenn man sich  mal bewusst macht, warum dieser zustande gekommen ist: Nämlich, weil ich jetzt in Berlin wohne. 

Wie, das wars? Kommt da noch was? Nein, da kommt nichts mehr, das wars schon. Ich wohne jetzt in Berlin und bin deswegen, Zitat:„I’m so fucking cosmopolitan, I have to be like all the other famous fashion-bitches!“

Aha. Also ich bin jetzt wannabe supercool, will fame werden wie alle anderen (welche anderen eigentlich?) Fashion „BITCHES“ UND bin durch einen Umzug jetzt wie ein angedeuteter Einheitsbrei geworden.

Ich habe mich dazu entschlossen, nach Berlin zu ziehen, weil ich nie wirklich „erwachsen“ war. Ich bin ein Papakind, Papa wohnt ein Haus neben mir und ich mit meinem Freund zusammen. Ich war mehrmals am Tag unten bei Papa und in unserem Dorf gab es nicht einmal ein einziges Café. Es gab keinen Bahnhof und es fuhr alle vier Stunden ein Bus, aber ich hatte ja ein Auto, was ich mir allerdings mit Papa geteilt habe. Mein Freund hat Abends gekocht und wenn eine Spinne im Schlafzimmer war, musste ich nur einen von beiden rufen. Ich musste nichtmal allein zum Arzt, wenn ich nicht wollte. Und wenn ich  mal pleite war, hat mir einer von beiden was geliehen – oder Opa und Oma, die wohnen nur 15km weiter… Ich schreibe auf meinem Blog ehrlich über alles. Und ich hatte das Gefühl, nicht erwachsen zu sein – und das mit 25! Also habe ich mich raus aus der Komfortzone geschwungen und bin in die spannendste Stadt Deutschlands gezogen: nach Berlin. Nun wohne ich, wie gestern bereits erwähnt, in einer WG. Und bin auf einmal nicht mehr Papas Prinzessin oder die Freundin von meinem permanent anwesenden Freund. Hier bin ich einfach nur Tara die zum Bus rennen muss, Tara ohne Auto, Tara, die Spinnen selber killen muss oder abwäscht, weil wir keine Spülmaschine mehr haben. Wenn ich pleite bin, bin ich pleite. Dann rufe ich nicht zuhause an und jammere, sondern sage „Das kriege ich schon hin.“

Aber ich teile meine Erfahrungen mit euch und dazu gehört, natürlich, dass nicht alles rosa glänzt und Spaß macht – auch wenn es danach aussieht. Also schreibe ich, dass ich  mich natürlich auch einsam fühle, aber das jetzt einfach mal machen muss. Für mich. Was anderes. Alleine, ohne Hilfe.

Aber jetzt werde ich deswegen gedisst. Und ja, ich hasse diese Kommentare, die „total nett gemeint sind“, aber nur versteckte „Kritik“ sind. Kritk okay, wieso nicht – „Die Hose steht dir nicht“ -„Okay, danke“ – Die Haare sind zu kurz“ „Alles klar, ich hätte sie auch gern wieder länger“. Das ist Kritik. Kritik ist aber NICHT: Du bist unglaubwürdig und eine wannabe Fashionbitch, weil du alleine in eine große Stadt gezogen bist.

Vor allem versuche ich immer, kritisch mit der Bloggerwelt umzugehen. Nicht alles ist gold, was glänzt. Glaub nicht alles, was du siehst, selbst Salz sieht aus wie Zucker. Aber trotzdem BIN ich Bloggerin, und genau DESWEGEN folgen mir die Leute ja. Aber ich kann nicht auf einmal keine Bloggerin mehr sein und meine ganzen Channels löschen, nur weil ich sage, dass nicht alles echt ist in der Bloggerwelt. In keiner Welt ist alles echt. Und ich bin auch einfach nicht so wie andere Blogger. Dafür bin ich nicht dünn genüg, nicht schön genug und zu arm. Aber ich bin noch vom „alten Eisen“ – ich bin der Meinung, dass man das nicht sein muss, um eine gute Bloggerin zu sein. Und dass man auch mal eine eigene Meinung haben darf. Ich wehre mich vehement dagegen, in eine Schublade gesteckt zu werden und das wurde bis jetzt immer geschätzt – ich bin 1,80m groß, ich bin zu groß für Schubladen – aber trotzdem stecken mich jetzt andere rein. „Du bist nicht so eine Bloggerin wie andere, wie kannst du also nach Berlin ziehen? Das macht mich traurig.“

ICH mache Menschen traurig, indem ich umziehe und ein eigenes Leben führen will, mal ohne Papa, mal ohne Freund, einfach mal ich, auf eigenen Füßen. Und dann war alles übrigens halbwegs geklärt und dann kam ein neuer Kommentar: „Was gibt es an dem Kommentar nicht zu verstehen? (auch gefällt mir die mitschwingende Arroganz dabei, „bist du dumm oder so, was gibt es daran nicht zu verstehen? […] der Kommentar war GANZ BESTIMMT NICHT unverständlich.“)

„Du bist einfach super unglaubwürdig gewordden, ist mir auch egal was du machst, ich lese dich sowieso nicht mehr!“

Aha. Dann habe ich mich gewehrt und war dann infantil. Weil ich als Blogger bin in der Öffentlichkeit und muss damit umgehen, dass Menschen mich beleidigen (und ja, wenn jemand sagt, ich bin super unglaubwürdig und nur hier um dich zu dissen, weil ich lese dich gar nicht und ist mir sowieso egal und du bist jetzt voll die Bitch weil du in Berlin wohnst), darf aber nichts zurücksagen – denn dann bin ich infantil. Das war alles total „konstruktiv“, aber „dududu wieder, du bist dann voll gemein, das ist mir auch schon öfter aufgefallen!!“ Vor allem werden meine Posts anscheinend nicht einmal zu Ende gelesen, denn abschließend schrieb ich, wie dankbar ich bin, hier sein zu dürfen. Dass es NOCH schwer ist für mich. Wie es für jeden schwer wäre. Dass ich trotzdem froh bin.

Ich bin auch nur irgendein Mensch, der mal raus will, was anderes sehen will, in einer anderen Stadt leben will, für sich, und klar fehlen mir die Menschen, die ich liebe – jeden Tag, jede Nacht, natürlich fühle ich mich nach einem Monat 550km weiter weg einsam, noch immer, ich habe Heimweh. Gleichzeitig freue ich mich, alleine weggezogen zu sein, mal was eigenes zu machen, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich bin nicht in Berlin, um irgendeine „famous fashion Bitch“ zu werden. (Und ich denke auch nicht, dass die anderen Fashionblogger, die hier leben, irgendwelche Bitches sind) Ich bin in Berlin, um einfach erwachsen zu werden. Mehr „Ich“ zu entwickeln. Mich mehr kennenzulernen. Mich neuen Aufgaben zu stellen. Und ja, ich werde immer wieder die Bloggerszene kritisieren. Und damit kritisiere ich mich immer mit, ich bin meine schärfste Kritikerin. Aber so ist das eben. Trotzdem bin ich jetzt eine Bloggerin in Berlin und ich denke nicht, dass ich deswegen ein schlechterer Mensch geworden bin. Und ich bin jetzt eine Bloggerin in Berlin und ich denke nicht, dass ich mir alles anhören muss, nur weil ich eben Bloggerin bin, mit einer Meinung. Und auch mal emotional reagieren darf. Ich bin Bloggerin in Berlin oder auf dem Dorf, völlig egal – vor allem bin ich ein Mensch, der natürlich auch reagiert: Aktion-Reaktion.

Wie seht ihr das? Sagt der Wohnort etwas über den Menschen aus? Ist man arrogant, weil man aus einem Dorf wegzieht? Muss man sich im Internet alles gefallen lassen oder darf man da auch reagieren, auch wenn man Bloggerin ist? Und sollte ich die Bloggerwelt nicht mehr kritisieren und alles hinnehmen – weil ich bin ja schließlich selbst eine? Macht mich das zur Heuchlerin oder zur Selbstkritikerin?

 

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10 Comments

  • Reply tinted ivory 28. November 2015 at 19:56

    du bist perfekt wie du bist, ganz einfach weil du dich selbst magst. :) ist daran etwas nicht zu verstehen? man muss nur sich selbst mögen und lieben was man tut. was andere sagen ist banane. wer dich verfolgt mag dich so wie du bist oder entfolgt dich, wenn er es anders sieht. sagen wir mal so: ich kaufe keine kinokarte um einen film zu sehen nur um ihn zu verreißen. but who knows… keine ahnung auf welch infantiler schiene manche „follower“ reisen, die eben genau das wollen: kritisieren um des kritisierens willen.
    shit happens, mach dir nix draus. muss nicht jeder jeden mögen. hauptsache du dich. <3

    sonne ☼ für dich, eva

  • Reply Marie 28. November 2015 at 20:17

    Liebe Tara, mach dir nichts draus – wer auch immer solche Kommentare schreibt, ist wahrscheinlich schon seit ewigen Zeiten unzufrieden mit seinem Leben und sitzt irgendwo in der Pampa rum und beschwert sich lieber darüber, als irgendetwas zu ändern. Ich finde dich toll und ich finde es klasse, dass du dein Ding machst! Ich verfolge dich total gerne auf Instagram (und natürlich auf deinen Blogs) und finde die Bilder aus Berlin richtig schön!
    Liebe Grüße :)

  • Reply Jessy 28. November 2015 at 20:57

    Ich bin wirklich erstaunt, dass es Menschen gibt die Kritik üben aufgrund des eigenen Wohnortes. Da reden alle fleissig von Toleranz und Akzeptanz, aber bitte nur, wenn es um einen selbst geht.
    Ist es nicht total egal wo jemand wohnt? Kommt es nicht viel mehr darauf an was er denkt? Ob du jetzt in Berlin oder Ergolsbach oder Bückeburg wohnst – das, was in deinem Kopf vor sich geht, das ist relevant. Und darüber bloggst du, oder nicht?
    Wenn es jemanden nicht gefällt wo du wohnst, bitte. Es gibt Millionen anderer Blogs die nicht von Leuten aus Berlin gemacht werden. Es gibt aber genauso auch Millionen Blogs die von Leuten aus Berlin gemacht werden. So what? Der Inhalt zählt.
    Konstruktive Kritik in Bezug auf den Wohnort ist mir schleierhaft. Vor allem, sich als Leser eines Blogs herauszunehmen Kritik an der Wahl des Wohnortes zu üben. Das finde ich persönlich drüber.
    Man kann und darf kritisieren, genauso wie man kritisiert werden darf.
    Das große Manko am Internet: Plötzlich kann jeder sich was rausnehmen. Mal so richtig Dampf ablassen. Mal so richtig „die Meinung“ sagen. Und das ganze aber bitte Anonym. Man braucht ja seine Privatsphäre.
    Ich mag Berlin auch nicht besonders gern. Und? Macht das jetzt deinen Blog schlechter/besser/irgendwas als alle anderen? Ich denke nicht.

    Also: Du machst es richtig. Geh raus in die Welt. Erkunde das Stadtleben. Lern dich kennen. Und bedenke dabei immer: Wo do wohnst ist eine Nebensache :)

  • Reply Kathi 29. November 2015 at 12:34

    Ganz ehrlich: Ich versteh gar nicht mal, wie sich daraus eine Diskussion entwickeln kann. Ganz ehrlich: Jeder kann doch verdammt noch mal wohnen wo er oder sie wohnen will. Und wenn ich mir ne Hängematte in den Park zwischen zwei Bäumen spanne oder mir mit 5 Freunden die geilste Loft gönne, die weit über meinem Budget liegt, dann geht des den Rest der Welt echt nen feuchten Kehricht an 😀

  • Reply Nenimaare 29. November 2015 at 14:05

    Erstaunlich nur, dass du die Kommentare um die es geht inklusive deiner eigenen Antworten darauf einfach gelöscht hast.

    • Reply fashionlunch 2. Dezember 2015 at 23:03

      Ja, zum eigenen Schutz. Merkst ja, wie das ankam. Habe aber alle Screenshots, wenn du willst, dass ich sie veröffentliche. :)

  • Reply Yoyó 29. November 2015 at 20:30

    Das ist doch ein ganz natürlicher Prozess, den es seit Jahrhunderten gibt. Junge Menschen ziehen aus den kleinen (Vor)Orten in die großen Städte, um Zukunft und Perspektive zu haben. Ganz normale Zu- und Abwanderung, ist doch nichts Ungewöhnliches.
    Es ist einfach gerade scheinbar der Trend, dass alle hippen, kreativen Menschen nach Berlin ziehen. Weil Berlin einfach mal hip und kreativ ist (das sage ich ganz neutral ohne jegliche Wertung). Berlin ist auch global gesehen ein Phänomen für sich, die Medienbranche boomt und alles ist einfach offener.
    Also genieß deine Zeit hier, nimm so viel mit wie du kannst und „lass die Leute reden hör ihnen nicht zu. Die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun. Lass die Leute reden bei Tag und auch bei Nacht. Lass die Leute reden, das hab’n die immer schon gemacht.“

  • Reply Kir 2. Dezember 2015 at 12:16

    Wo ist denn der shitstorm gelaufen (ich krieg mal wieder gar nichts mit…)? Naja, wahrscheinlich ist negative Reaktion besser, als keine Reaktion ? :-) Hey, viel Spass in der Metropole! Ich mag Berlin zwar nicht (denn meine erste Erfahrung mit einer Berlinerin war ungefähr so: „Köln ist ja sooo piefig!“ – Ja, wir Kölner mögen euch Berliner auch nicht, hätte ich am liebsten erwidert, aber man bleibt ja zivilisiert und höflich gegenüber solchen Barbaren 😉 und ja, verdammt, Köln ist ein Dorf, das wissen wir selbst), doch gönne ich Dir die Erfahrung sehr, denn ist halt der nächste Lebensschritt und bringt Dich sicher weiter. Auf jeden Fall hast Du jetzt NOCH mehr Interessantes zu entdecken und zu erzählen, und darauf kommt es doch an. Ich kann den Zusammenhang zum Bloggen, Geltungsbedürfnis und so weiter beim besten Willen nicht erkennen. Ist doch Deine Sache, von wo Du bloggst und Mode und Gastronomie sind nun mal in Berlin weit verbreitet, so dass Du Deinen Job besser machen kannst. Ganz klare Angelegenheit. Ach PS: das Heimweh geht nie so ganz weg, lass Dir das von jemanden sagen, der schon seit 19 Jahren nicht mehr „zu Hause“ wohnt. Wenn ich in Köln bin, werde ich schnell sentimental und könnte alles und jeden umarmen 😉

  • Reply Vivien 15. Dezember 2015 at 13:30

    So einen Quatsch habe ich selten gehoert, wie kann man sich an dem Wohnort oder der vernuenftigen Begruendung einer Person, wo auch immer hingezogen zu sein, so aufhaengen? Apropos Begruendung – du musst dich vor niemandem rechtfertigen, wo du hinziehst! Und wenn du nach Buxtehude ziehst, dann ist das so. Ich glaube, das Problem ist die Phrase Berlin – irgendwie scheint die Stadt als Erwaehnung fuer den Grossteil ein rotes Tuch zu sein. Die echten gebuertigen Berliner betonen regelmaessig, ja auf jeden Fall ‚echte‘ Berliner zu sein, Zugezogene sind direkt Hipster und wollen nur cool sein und was nicht alles. So eine Kinderkacke – waerst du nach Koeln gezogen oder Muenchen oder Hamburg haette da kein Hahn nach gekraeht.

    Mach weiter so und vor allem mach dein Ding! Hoffe wir sehen uns bald Liebes!

  • Reply Vanessa 21. Dezember 2015 at 13:07

    Hey Tara, ich wünsche mir, dass du dir solche Kommentare nicht so zu Herzen nimmst und über zwei A4-Seiten auf deinem Blog berichtest (siehe ein paar Einträge zurück). Du hast keinen Grund, dich so zu rechtfertigen. Du machst alles richtig und packst das schon!

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