LIFESTYLE

Individualität, wo bist du?

18. Januar 2015
Starbucks Rosa

Und jetzt im Chor: „Wir sind alle individuell!“

Ich bin gefangen in einem rosa-weißen Strudel aus Mädchentraum. Ernsthaft, ich habe bei Instagram zehn Minuten nach den Hashtags #starbucks, #pink und #uggboots geguckt. Und habe innerhalb dieser zehn Minuten 30, noch einmal in Worten, DREIßIG Accounts gefunden, die absolut gleich sind. Identisch. Austauschbar. Weiß-Rosa-Pinke-Starbucks-Victoria’sSecret-UGGs-Tiffanys-Früchte-GossipGirl-Schminke-Hollister-Accounts. Mädchenträume, in kleinen Vierecken, alle gleich, immer dasselbe, nicht voneinander zu entscheiden. Keine persönliche Note, nur leere Bilder von teuren oder coolen Sachen, überbelichtet, rosa, so, wie es alle machen, jeder. Und fast jeder Account hat mindestens 10.000 Follower. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Wollen das die Leute sehen? „Instablogger“, 12-16, eine Hollisterjeans, UggBoots, Starbucksbecher und VS Tüte mit Haaren bis zum Hintern-Armee in der gleichen Blümchenikeabettwäsche, dem selben Ikea LEIRVIK Ikea Bettgestell mit Lichterkette drum und den gleichen Lippenstiften von MAC oder Lipbalm von eos?

Natürlich weiß ich, dass es Trends gibt. Und ja, ich liebe Starbucks, weil ich guten Kaffee liebe. Aber wo ist die Individualität, von der wir alle reden? Wie soll man jemanden einzigartig finden, wenn man SICH SELBST, freiwillig, so darstellt wie 90% der anderen Mädchen auch? Wie kann man sich über Unbeständigkeit von menschlichen Beziehungen, Freundschaften wie Partnerschaften, aufregen, wenn wir alle das selbe mögen, essen, posten? Und seit wann ist das Alter 14-16/17 so rosa und so gleich geworden? Ich war damals laut und schwarz und leise und punkig und alles, aber nicht ich selbst. Weil ich mich erst finden musste. Aber wie kann man sich heutzutage finden, wenn jeder gleich sein WILL und man jedem nacheifert, um bloß genauso zu sein, wie alle anderen? Zwischen dem ganzen „Wie kriegst du deine Bilder so hell?“ und „SFS Süße?“ würde ich, wäre ich noch einmal so jung, mich verlieren, dessen bin ich mir sicher.

In zehn Minuten habe ich 30 identische Accounts gefunden und bin mir sicher, dass ich niemals wieder danach suchen werde – denn auch wenn anscheinend jeder diese wunderbar-leichte rosa, fluffige Mädchenwelt wunderschön findet – mir jagt sie einen Schauer über den Rücken. Denn wenn jeder so sein will und jeder darin leben will, dann weiß ich, dass es niemals ein Ort für mich sein wird.

Pinke Instagram Welt Rosa Mädchentraum Starbucks Rosa Instagram Mädchen Profil Starbucks_Tiffany

 

 

Und nein, ich mache hier niemanden fertig. Jeder darf posten, was er will – aber ebenso auch darüber reden. Die Accounts sind unkenntlich gemacht, Gesichter verpixelt und Namen entfernt, alle Bilder leicht verschwommen. Hier geht es nicht um Einzelaccounts sondern um das große Ganze. Ich feinde niemanden an, das sage ich noch einmal explizit.

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16 Comments

  • Reply Karla 18. Januar 2015 at 23:08

    Same same but different mit Mode- /Foodblogs, oder?

    • Reply fashionlunch 18. Januar 2015 at 23:12

      Natürlich gibt es ein gewisses Muster bei Food-und Modeblogs, die gibt es immer. Aber nicht so absolut identisch, zumindest habe ich solche nicht gesehen. Ich lese auch gerne die, die individuell sind. Das ist für mich das Wichtigste bei einem Blog: Individualität. Wiedererkennungswert. Besonders sein. Nicht besonders gleich sein.

  • Reply Aileen 19. Januar 2015 at 10:48

    Mensch, Tara, du haust mich mit deinen Texten immer wieder aus den Socken *_*

    Ich habe mich auch schon oft gefragt wieso gerade diese (wie du so schön geschrieben hast) ‚Weiß-Rosa-Pinke-Starbucks-Victoria’sSecret-UGGs-Tiffanys-Früchte-GossipGirl-Schminke-Hollister-Accounts‘ gehypt werden, weil dort, meiner Meinung nach, fast keine Persönlichkeit drin steckt. Sie sind alle gleich, posten das Gleiche, lieben das Gleiche, tragen das Gleiche.. aber wann wurde es so populär nicht mehr ‚anders‘ sondern ‚gleich‘ zu sein ?! Früher wäre ich gerne eine von diesen ‚beliebten Mädchen‘ gewesen, hätte gerne mehr Follower auf meinem Account und auch mehr Leser für meinen Blog, aber dann habe ich erkannt, dass ich das nicht brauche. Nur weil man 100000 Follower bei Instagram hat heißt es noch lange nicht das man beliebt oder berühmt ist. Aber ich glaube, genau das denken viele dieser Mädchen und posten deshalb solche Bilder, von denen sie denken, dass sie das beliebt macht. Eigentlich traurig, das sich manche nur durch ihren Besitz definieren, durch VS-Tüten, UGGS oder einen Starbucks-Becher … & was ich auch noch erschreckend finde, nicht nur auf Instagram findet man diese ‚Gleichheit‘ getarnt als Individualität, nein, auch (zb.) bei meiner kleinen Schwester auf der Schule, in der Klasse, laufen die Mädchen alle gleich rum .. mit UGGS, Abercrombie & Fitch-Jacken und dazu eine Michael Kors Tasche.

    Ein wirklich toller Text von dir, der mir aus der Seele spricht :)

    Liebst,
    Aileen <3

  • Reply Sascha Bladt 19. Januar 2015 at 10:50

    Ich muss dir bei deinen Erfahrungen recht geben. Individualität ist leider fehl am platz. Keiner Traut sich mal was ganz neues zu machen. Weder ein Experiment was das Blogdesign angeht oder gar den Versuch neue Wege zu gehen.

    Ich erlebe es selbst jeden Tag aufs neue. Aussagen wie „Das will ich auch haben“. oder „Ein Design wie in der oder der Art hätte ich gerne“. Aber mal neue Farben oder gar Ideen umzusetzen daran hapert es bei dem meisten. Ich weiß auch nicht woran das ganze liegt.

    Sehr schöner Bericht hast du da verfasst. Es trifft es auf den Punkt.

    LG Sascha

  • Reply Lani 19. Januar 2015 at 18:51

    Wahre Worte liebe Tara. Ich würde mich ebenfalls verlieren. Wenn es denn nicht schon geschehen ist. Alle gleich, alles gleich – immer gleich. Hauptsache man macht sich was vor und strengt sich an gleich zu sein. Ist nicht schwierig, aber auch nicht besonders.
    Liebe Grüße,
    Lani

  • Reply Lois 27. Januar 2015 at 21:52

    baaahhh ich hasse diese Accounts :( Ich liebe Accounts, die lebendig sind. Meiner ist auch gestellt und „kuratiert“ (typisch blogger halt..) und nicht Echtzeit am leben, aber ich liebe gerade die ganzen Aussie/Hawaii Insta Accounts von reisenden Menschen. Die sind zwar auch alle gleich, aber da kommt so eine Lebensfreude und Lebendigkeit rüber. Und da mag ich wirklich die Person dahinter und nicht nur die wunderschönen Bilder.

    Love Lois xxx

  • Reply Lou 1. Februar 2015 at 16:19

    Ein ganz wunderbarer Text!
    Ich finde wirklich, dass du den Nagel auf den Kopf triffst.
    & Die Collage ist der Knaller 😀

    Ich finde die Bilder im ersten Moment schon schön anzusehen, aber wenn ich dann einen Schritt zurück gehe, find ich das alles einfach nur noch verrückt. Wenn ich mir vorstelle, wie 10 Minuten lang alles drapiert wird, um dann schnell ein paar Fotos zu schießen und anschließend alles wieder wegzuräumen. Verrückte Welt!
    Und dann bekommt man mit solchen Bildern wirklich die meisten Likes und diese Accounts haben unzählige Follower. Man liest aber eher von leiser Kritik an diesem Einheitsbrei.
    Ich habe das Gefühl, man muss sich einfach entscheiden: Aufspringen und Erfolg haben oder sich selbst treu bleiben und eben weniger Erfolg haben?! Auch wenn es natürlich individuelle und dennoch erfolgreiche Blogs gibt, ich hoffe der Gedanke wird trotzdem klar 😉

    Auf jeden Fall find ich ich den Artikel und deinen Blog super!

    Liebe Grüße
    LOU

  • Reply Anna 2. Februar 2015 at 16:18

    Du hast so recht und es ist doch eigentlich Wahnsinn, wenn man sich allein deine Collage ansieht! Vor allem wäre doch das Internet so eine gute Möglichkeit, um Individualität zu leben, mal etwas anderes zu machen als all die anderen rosa Glitzergirlis da draußen.
    Als ich mit dem Bloggen anfing, dachte ich manchmal:“Das macht man so als Blogger, das muss ich auch haben“. Deko, rosa, alles hell, weiße Möbel und den perfekten Instagram Account. Mittlerweile weiß ich, dass Individualität doch viel wichtiger ist und vor allem das ist, was berührt und bewegt. Lieber unperfekte Schnappschüsse von einzigartigen Momenten als perfekte aber gestellte Fotos und eine Tonne voll grau-gleicher Follower.
    Danke für deinen tollen Post! (bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und schon verliebt in die tollen Artikel ;))

    Liebe Grüße
    Anna

  • Reply Katreen 11. Februar 2015 at 0:25

    Ganz große Gedanken und alles so richtig! Mehr davon bitte… Liebste Grüße an dich, katreen

  • Reply Julia 24. Februar 2015 at 17:01

    Ein richtig toller Beitrag, denn genau das ist mir auch aufgefallen!

    Außerdem habe ich festgestellt, dass der Name „name_secret“ besonders verbreitet ist (anscheinend von victoria’s secret) und dass auch viele Mädels genau das Selbe in der Bio stehen haben, oder den Namen genau nach dem selben Konzept gestaltet haben. Und dann noch diese ganzen Shoutouts und „Overnights“. Vorallem wird beides ja nach ein paar Stunden wieder gelöscht. Eine Sache, die ich absolut nicht nachvollziehen kann. Wenn ich einen Account mag, dann unterstütze ich ihn doch länger? Und Shoutouts verlosen.. ich weiß ja nicht.

    Vielen Dank für deinen Text, das war wirklich inspirierend! Habe auch etwas darüber geschrieben und deinen Beitrag hier verlinkt, weil er mir so gut gefallen hat. Ich würde mich freuen, wenn du mal vorbei schaust. http://www.juliary.de/2015/02/du-als-blogger/

    Liebe Grüße,
    Julia

  • Reply Sind Blogger ehrlich? Oder: Die Inszenierung der Wirklichkeit | neontrauma.de 24. März 2015 at 18:00

    […] natürlich auch auf Instagram zu. Tara von fashionlunch hat vor einigen Wochen unter dem Titel Individualität, wo bist du? einen interessanten Artikel dieses Phänomen veröffentlicht, mit einer Collage, die Bände […]

  • Reply Ilona 14. April 2015 at 13:01

    Ich arbeite neben einer Mädchenschule. Wenn ich manchmal in der Mittagszeit meine Pause draußen verbringe und die Mädels beobachte, die da an mir vorbeigehen, denke ich mir: Mädels, merkt ihr nicht, dass ihr alle gleich ausschaut? Lange geglättete Haare, skinny Jeans, die gleichen Schuhe – wie auch immer man die nennen mag – etc.
    Und dann frag ich mich: Sahen wir auch alle gleich aus? Ich kann mich nicht erinnern. Ich sah auf jedenfall nicht aus, wie die anderen – das hat man mir mit Mobbing gedankt. Heute sehe ich auch noch nicht aus, wie die anderen – das dankt man mir entweder mit Komplimenten oder komischen Blicken. Aber ich hatte auch nicht das gefühl, dass die Mädels meiner Klasse damals alle so „aus einem Guss“ waren. Was ist da nur passiert? Selbst die Kommentare unter ihren Photos sind austauschbar und ich frage mich: Merken die noch, bei wem sie kommentieren oder schreiben sie eh immer dasselbe: „Hübscheste!“ – „schönste!“ – „Beste!“ blablablabla

    Manchmal bin ich einfach froh, dass in meinen Teenie-zeiten der Einfluss des Internets noch nicht so massiv war. Vielleicht blieb da mehr Raum?

  • Reply Hana Mond 21. Juli 2015 at 20:11

    Naja … würde man Favoritenbilder von Goths oder Punks anschauen, es sähe für einen auch alles gleich aus.
    Als ich Teenager war, trug man Adidas-Superstar-Schuhe und Eastpak-Rucksäcke, dann die Gutbetuchten Buffallo-Plateauschuhe und die anderen billige Imitate. Damals kamen Schlaghosen gerade wieder auf, nachdem die 80er-Röhrenjeans und Schulterpolster vorbei waren …

    Ich finde es – und das seit jeher – sehr typisch für Teenager, dass man genauso aussieht wie alle anderen, blind Trends – ob denen der Subkultur oder des Mainstreams – folgt und sich dabei TOTAL individuell fühlt. Weil man noch schwer unterscheiden kann, was der eigene Geschmack ist und was der der Gesellschaft oder der Gruppe, was noch Inspiration ist und was Abklatsch …

    Der Spruch „I’m so unique – like all of my friends“ ist ja auch nicht gerade erst von gestern.
    Ich finde das auch nicht schlimm. Es muss ja nicht jeder total individuell sein – wenn man sich mit dem Massengeschmack wohl fühlt, warum nicht? Manch eine junge Frau wird sich dem nächsten Trend anpassen, wenn Zuckrigkeit nicht mehr en vogue ist, manch eine dabei bleiben, weil sie sich damit so wohl fühlt, und die nächste vielleicht eine ganz andere Richtung einschlagen. Ich finde das alles akzeptabel!

  • Reply Franziska │ nur mal kosten 19. September 2015 at 17:56

    Tolle Idee! Auch wenn ich Instagram eigentlich sehr gerne mag, verstehe ich auch oft nicht warum tolle persönliche Accounts oft viel, viel weniger Follower haben als andere, bei denen ich genauso gut eine Zeitschrift lesen könnte um die selben Bilder zu sehen…

    Herzliche Grüße

    Franziska

  • Reply Setz' ein Ausrufezeichen! - heldenwetter 4. Oktober 2015 at 20:04

    […] habe das Gefühl, viele nutzen ihre Macht nicht, weil sie Angst davor haben, abzuweichen. Sie füllen ihre Instagram-Kanäle in den selben Farben wie alle anderen, sie schreiben über die selben Themen wie alle anderen, sie […]

  • Reply 12mal12 März - heldenwetter 4. Oktober 2015 at 20:07

    […] machen – und sieht Instagram somit für sich als Galerie für Schönes und Ästhetisches. Tara Louise hat schon vor einiger Zeit darüber geschrieben, wie Instagram-Accounts sich einander angleichen […]

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