LIFESTYLE

Lifestyle: Faber – eine neue Liebe in live und Farbe

3. November 2017
Faber Berlin Huxleys

Ich sitze im Zug und die Welt rauscht an mir vorbei, während Faber in meinen Ohren rauscht.

Faber, eine röhrige Stimme, die in meiner „Discover“ Liste bei Spotify gelandet ist, die ich nie höre, weil es mir meist sowieso nicht gefällt. Faber, der davon singt, dass es so sein soll, während ich mich, hier an der Tramhaltestelle, frage, ob das jetzt so sein soll: ich, verliebt, oder nicht, wer weiß das schon, ist ja auch egal, oder?

„Warst das nicht du, die, die sagte, dass sie sich niemals verliebt, weil es keinen für sie gibt?“

Der Text vom Opa gefiel mir. Durch meinen ausgeprägten Vaterkomplex, den ich immer wieder bestreite, dessen ich mir aber durchaus bewusst bin, mag ich sowieso die meisten alten Männer und finde die sympathisch.

Nur dass Faber kein alter Mann ist, was mir klar wurde, als ich nach ihm bei Youtube suchte.
Vor mir saß ein gelockter Haarahaufen mit Grübchen und ich schätze, das war der Moment, wo ich mich komplett verloren und verliebt – was ja irgendwie das gleiche ist – habe: in die Texte, in meine Generation, in das „Gott sei Dank ist da mehr als all der Electro-DjinKölnimFlamingoClub-Bullshit. Gott sei Dank ist da jemand, der Poesie kann, ohne ein verschrobener Freak zu sein, der seine Lyrik nur für seinen Schreibtisch kreiert.
Gott sei Dank bist da du, Julian Pollina aka Faber.

„Lass mich nicht los. Lass mich nicht auf dich los.“

Seine Texte, die vor Gesellschaftskritik und Melancholie nur so strotzen, sind unterlegt mit Posaune und folkloristischen Girattensounds – Texte, die zum Weinen bringen könnten, würde die Musik nicht zum Tanzen motivieren.

Faber Leipzig Konzert

Dieser Widerspruch in sich, das „ich könnte, wenn ich wollte, wenn ich wollen würde, will ich denn?“, die Tabus der Texte („Du bist zwar erst sechzehn, doch komm, wir drehen Sexszenen“), die Traurigkeit und Komplexität der Zwischenmenschlichkeit („Und ich schau wie du schaust wenn dich einer anschaut und ich rauch und ich sauf, denn ich brauch nicht zu sehen, wie sehr du dich freust und wie sehr du enttäuscht bist von mir, von mir.“) sind das, was mich an ihm so faszinieren wie selten etwas anderes, wie selten jemand anderesMusik ist für mich niemals die Musik an sich.
Ich lebe in der Literatur, nichts reißt Menschen mehr auseinander als Worte, Menschen, die zusammen waren, Menschen, die mal eins waren, zwei auseinander oder einen ganzen in zwei Teile.
Die Macht der Worte ist überwältigend und wer denkt, Schläge tun weh, hat noch nie von jemandem verbal das Herz gebrochen bekommen.

Aber nur, weil man jemanden mag, heißt das nicht, dass er auch live überzeugt – ob bei Tinder oder Konzerten.

Faber Leipzig Konzert

Das Angst vor einer Enttäuschung hat sich verflüchtigt, spätestens dann, als Faber sich die Seele aus dem Leib sang, direkt vor mir, und während er da stand und schrie, schrie alles in mir, ich wusste, ab jetzt bin ich verloren – in der Welt von Faber und seiner Band, ebenso talentiert, eben so jung, eben so halt.

Manchmal merkt man gar nicht, wenn man verliebt ist. Manchmal ja. Und manchmal schlägt dir das Gefühl so dermaßen ins Gesicht, dass du nach Luft schnappen musst, so als ob du lange Zeit unter Wasser warst. So ging es mir hier. Für die Leidenschaft, die sich auf der Bühne abspielte, die Freude an der Sache an sich, an der Musik, an dem, was man tut und, das Wichtigste für mich: dass man glaubt, was man schreibt.

Und alles, was ich sagen kann, ist: Danke.

Banal, ich weiß. Doch manchmal ist das so, so einfach.

 

 

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2 Comments

  • Reply Paula 3. November 2017 at 9:16

    Toll! Danke für diesen Bericht, jetzt will ich auch auf ein Konzert! 😀 LG Paula

  • Reply Beata 11. November 2017 at 20:57

    hey!
    mir ging es ganz genau so!
    ich habe meine Schwester begleitet, hoffte auf einen schönen Abend mit ihr… & ich habe sooo viel mehr bekommen! ich bin mehr als begeistert! faber sagte mir zubeginn gar nichts & nun hat dieser junge Mann es geschafft meine Weltanschauung zu verändern! <3
    vielen dank!

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