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Literatur: Nur ein paar Wochen

22. April 2017

Nur ein paar Wochen blühen die Kirschblüten.
Jedes Jahr, und ich sitze im Dezember am Fenster und wünsche sie mir herbei, und im August, wenn alles endlich grün und warm ist, dann will ich frieren, draußen im Tshirt, von mir aus auch im Schal, hauptsache, irgendwas ist bunter als sonst, rosa, weiß, und seitdem ich in der Stadt wohne, fehlen mir die Rapsfelder am meisten.
Frühling.

Hormone drehen dann durch, sagt man, aber ich glaube, das liegt nicht an der Jahreszeit, sondern an dir.
An ihm und seinen Augen und wen ich damit meine ist egal, denn du, der das hier liest, du hast deinen eigenen Frühling irgendwo da draußen oder vielleicht drinnen, neben dir, auf der Couch, während ihr zusammen langweilige Dinge macht, die spannender nicht sein könnten.

„Nur ein paar Wochen wieder Frühling“, wünsche ich mir im Winter oder Sommer, sogar im Frühling selbst, denn vielleicht liegt die Schönheit gar nicht im Auge des Betrachters, sondern manchmal ist es wirklich einfach schöner als sonst.
kirschblüten berlin

Wir sind uns oft nicht einig, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist oder vielleicht beides, wenn gar nichts mehr drin ist. Ob das rosa jetzt schöner ist als das gelb von Raps, und auch, wenn du niesen musst und ich darüber lachen – und ich weiß, jetzt musst du grinsen, oder? – wissen wir beide, Frühling, das ist jetzt und das ist gut so. Nur ein paar Wochen haben gereicht, um das zu wissen, „was?“, na, einfach das, was wir haben, wir beide, seit Monaten, mehr als ein paar Wochen, aber noch immer da, nicht immer rosa, aber trotzdem scheint die Sonne.

Und auch, wenn ich der Winter bin, weil ich zu melancholisch für August und zu wenig rot für den Oktober bin, verbrennst du mich nicht – du, als Sommer, das macht Frühling irgendwie, oder?
Frühling und so, das war ein Buch, von früher, als alles besser war, damals war alles besser, aber was kann besser gewesen sein, als hier, jetzt gerade, unter den Kirschblüten, wenn alles schon wieder rosa ist und man friert oder nicht, egal, ich weiß sowieso nicht, wie das Wetter im April so sein sollte, außer wild, wild, wild.

Wild, wild, wild
Zusammen
Und irgendwie doch nicht
Und alles ist so rosa
Und bunt
Und halbvoll und mehr und ausfüllend
Mit dir
Im Frühling
Aber auch schon im Winter

Nur ein paar Wochen – und doch irgendwie länger, und doch irgendwie lange schon, und doch irgendwie immer so, dass es reicht, dass es gut ist, und dass es vielleicht einfach so sein soll, wie es ist.
Mit den Blüten, meine ich.
Mit dir, meine ich.
Mit uns. Meine ich.
berlin frühling

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2 Comments

  • Reply tatjana 26. April 2017 at 11:17

    sehr bewegender text <3

    • Reply fashionlunch 27. April 2017 at 7:38

      Ich danke dir, meine Liebe!

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