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Literatur: Sich einlassen ist, sich fallenlassen

28. Februar 2017
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Ich stand am Abgrund seiner Augen und wusste, dass das was sein könnte. „Was“ war nicht definiert, aber „das“ war klar, selbst wenn es bewölkt war seitdem, jeden Tag, irgendwo hing eine Wolke, immer wieder.


„Das kenne ich so nicht“, sage ich und habe Angst

„Das musst du nicht, es ist eigentlich nicht kompliziert“ sagt er und meint es ernst.


Und doch, ob er es ernst meint ist immer so eine Sache, die Frage stelle nicht nur ich mir, die Frage stellen sich alle Mädchen irgendwann, Frauen, Männer, in Gruppenchats bei Whatsapp oder Abends, zuhause, wenn alle Leute schlafen und das Kissen nass ist vom Weinen und die Nachbarn sind schon wieder so scheißlaut.

Denn kompliziert wird es meist dann, wenn es kompliziert wird: Wenn Leute merken, es ist nicht nur Spaß und Sonne und blauer Himmel zu jederzeit, denn manchmal schneit und donnert und blitzt es, was aber nicht heißt, dass es nicht trotzdem warm ist.

Kompliziert wird es meist, wenn man mehr fühlt, als man dachte. Wenn man mehr fühlt, als geplant. Wenn dir das Leben ins Gesicht lacht und mit lachen meine ich einen Fausthieb, so fest, dass es dich umwirft, und über dir steht, wie immer überlegen, und sagt „Ha, das hast du davon, wenn du planst!“ und ich liege da und kann nicht aufstehen, weil mir schwindelig ist vor…Glück und Unsicherheit und Angst und Liebe, vielleicht.

Und dann schreit dein Herz schon wieder so scheißlaut, weil es wieder irgendwas von dir will, was du nie wollen wolltest, weil es nicht so einfach ist, wie es sein sollte, dabei weißt du, dass er es einfach mag. Witzig und klug und gute Zeiten und wenn es kompliziert ist, was es immer ist, wenn es Gefühle gibt, dann hast du Angst, dass er geht, weil er immer geht, was aber nicht heißt, dass er nicht wiederkommt.


„Und du kannst nicht fassen, dass du ihn nicht fassen kannst, dass er sagt, es ist ganz einfach, aber alles ist einfach, wenn man es erst einmal verstanden hat, hat mein Mathelehrer immer gesagt.“


Und vielleicht mag er dich nicht, sondern nur die Vorstellung von dir, von seinem Leben, was er hat, geplant hat, als er 5 war oder 15 und jetzt bist du da, auf einmal, und jetzt muss er ja irgendwas mit dir machen vielleicht, und jetzt musst du ja irgendwas machen, damit er was mit dir machen will, und vielleicht denkst du, ich, wir alle, immer alles tot, dabei ist alles, was wir wollen, nur lebende Gedanken.

Lebende Gedanken, tanzend, bunt und laut, an ihn und mich und uns zusammen, während ich mich frage, was „zusammen“ heißt und ob das bedeutet, dass man sich vertraut oder trotzdem Angst hat oder gerade deswegen und seit wann sind andere Leute ein Thema für mich und überhaupt, wann ist er so ein Thema für mich geworden?

Und sobald man thematisiert wird es kompliziert, dabei wollen wir alle nur Sonnenschein und blaue Himmel, mehrere, alle, aber wenn ich ehrlich bin, dann brauche ich den Regen und nichts macht mich glücklicher, als dann zu tanzen, wenn alle in ihre Häuser rennen, weil sie nicht scheißnass werden wollen. Und nichts macht mich ängstlicher, als nicht zu wissen, was passiert, oder ob mein Tshirt durchsichtig wird und irgendjemand alles von mir sehen wird, alles, außen, innen, und vielleicht versteht, wer ich bin.

Und sobald man liebt wird es kompliziert, weil alles drumherum nicht einfach ist, außer wissen, dass man vielleicht wahrscheinlich verliebt ist, ziemlich heftig, oder langsam, vielleicht geht beides zusammen, aber dann ist da noch diese Angst und dieses Misstrauen und das „was wäre, wenn“ wenn es doch gar kein „wäre“ gibt, sondern nur ein „ist“ und ein „wird“, weil aus 1 immer 2 wird, wenn man will.OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

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2 Comments

  • Reply feli 1. März 2017 at 4:33

    du hast es (wie immer!) auf den Punkt gebracht, liebe Tara :) Liebe Grüße, Feli – http://www.felinipralini.de

    • Reply fashionlunch 1. März 2017 at 21:03

      Vielen lieben Dank! :)

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