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Literatur: Über Füchse und den Willen, was für andere zu tun

28. März 2018

Ich diskutiere mit meiner Freundin wie immer, bei einem Glas Wein, wie immer, über den Sinn des Lebens und wir kommen beide zu dem  Schluss, dass es diesen als solchen ja nicht gibt.
“Kinder vielleicht”, merkt sie an und ich schüttele nur den Kopf – “Kinder, das sind doch leider meist nur Ausreden für unglückliche Beziehungen oder dopamingesteuerte Verliebt, die ihre PERSÖNLICHE Beziehung durch ein Kind entweder retten oder fixen wollen.”
“Du bist zu hart” sagt sie, “ich weiß”, sage ich.
Ich sehe das gar nicht so extrem.
Ich denke, Kinder sind was schönes, irgendwie oder irgendwann, genau wie die Ehe.
Für mich muss die Ehe aber vorher kommen und da stellt sich mir die Frage: Wann ist der richtige Moment?

Für mich war eine Beziehung oder die Ehe immer ein Konzept von “Ich will DIESEN Menschen, komme, was wolle, zusammen schafft man alles!”
Allerdings bin ich keine 15 mehr und habe verstanden, oder leider verstehen müssen, dass ich entweder zu doof oder zu naiv war, um wirklich zu glauben, dass es Menschen geben kann, die dich einfach so lieben wie du bist.
Das Problem daran ist nur:

Ich selbst habe das noch nicht verstanden.
Und ich glaube weiterhin, dass es möglich ist und irgendwo einen Menschen gibt, eine Freundin gibt, einen Freund gibt, die bereit sind, einfach mal was für einen zu tun. Einfach so.

Ich liebe unaufhaltsam und komplett und wenn die von mir geliebte Person einen Fehler macht, dann möchte ich darüber reden, aber dann ist es auch gut.
Aber wenn ich heiraten will, dann sage ich, dass ich heiraten will und muss keine Dinge drumherum klären.
Wo will man leben? Sehen wir dann, wir haben uns.

Und wenn es Probleme gibt?

Was ist mit Kindern? Sehen wir dann, wir haben uns. (wahrscheinlich schon, oder? Oder nicht? Gucken wir mal. Wir haben uns.)
Was ist, wenn einer Geldprobleme hat? Nichts ist dann, wir haben uns.
Oder Job-Probleme? Kein Thema, wir sind zu zweit.

Ich fand die Leute immer verbittert, die sagten, dass jeder Mensch eine Insel ist und doch, ich kann es verstehen und ich glaube es selbst. Im letzten Jahr habe ich viel über menschliche Beziehungen gelernt und so oft von so vielen Leuten, wenn ich um Hilfe gebeten habe, ein “ich kann nicht” gehört, wo eigentlich nur ein “ich will nicht” hätte stehen müssen.

Und das ist das, was mich so wütend  macht: Wieso kann ich denn eigentlich immer? Ich WILL auch nicht immer, aber wieso ist es immer in erster Linie wichtig, was ich WILL? Wenn alle machen, was sie wollen, ist doch an jeden gedacht, oder?
Diese Ellbogengesellschaft ist nichts für mich und es macht mich krank, zu wissen, dass ich da irgendwie reinpassen muss, denn sonst werde ich ausgenutzt und ausgesaugt und ausgelaugt, am Ende, allein, schon wieder.

Das will ich nicht mehr

…allerdings will ich mir auch nicht meinen sofortigen Hilfsreflex abgewöhnen, nur weil ich weiß, der mir gegenüber würde das selbe nicht für mich tun.
Ich bin es leid, andauernd irgendwelche Ausreden zu hören, dass man da “gerade nicht konnte” und “das irgendwie nicht verstanden hat”, wenn man ganz genau weiß, dass die andere Person einfach keine Lust hatte, sich damit zu beschäftigen.
Wenn man genau weiß, dass eine Serie auf Netflix jetzt wichtiger war als der Gefallen, um den man gebeten hat, dass im Internet surfen wichtiger ist als das Band des Vertrauens zu knüpfen und dass man immer an dem “Me first”-Gedanken festhält, einfach weil dir ja jedes zweite Online- und Offline Magazin einprügelt, dass du dich als erstes glücklich machen musst, um andere glücklich zu machen.

Zuerst ich und dann andere?

Von mir gibt es dazu ein klares: Jein.
Ich denke nicht, dass man immer nur sich in erster Linie glücklich machen muss, um andere glücklich zu machen. Ich denke, dass es wichtig ist, einfach mal zurückzustecken und etwas zu machen, was den anderen glücklich macht.
Das Problem dabei ist: dass man es gerne machen muss. Und das klappt bei den meisten Leuten einfach nicht.
Ich bin altmodisch und erfreue mich tatsächlich daran, andere glücklich zu machen.
Ich mache das aber nicht, weil ich das “cool” und “trendy” finde, so wie alle immer erzählen, sie VERSCHENKEN lieber an Weihnachten, als etwas zu bekommen und dann aber trotzdem ihren Freund anschreien, wenn es die rosa anstatt beige Chloe Faye Tasche wurde, sondern bin tatsächlich  der Meinung, es ist einfach mal wichtig für das eigene Ego, sich NICHT dafür zu interessieren, was jetzt mit einem ist.

Wenn ich kein Kino-Fan bin aber mein Partner, dann gehe ich mit ihm ins Kino.
Das ist ein normales Beziehungskonzept: Er weiß, ich mag es nicht, ich weiß, er mag es.
Also werde ich es für ihn machen und er wird es für mich nicht ausreizen, sondern mich nur alle paar Monate fragen, wohlwissend, ich tue es dann sehr gerne, einfach weil es mich glücklich macht, ihn glücklich zu machen.

Finde keine Ausrede für ein simples “ich habe keinen Bock”

Natürlich ist es kompliziert, sich für Menschen einzusetzen, die man liebt. Das klappt auch nur, wenn man nur ein paar enge Freunde hat, anstatt 25 GÖÖÖRLS um sich herum, bei denen man nicht mal unbedingt weiß, wie sie mit Nachnamen heißen. Beziehungen sind Arbeit und mit Arbeit meine ich nichts anstrengendes oder nerviges, sondern etwas sehr schönes. Wie der Fuchs im “Der kleine Prinz” schon richtig erkannt hat: Man muss jemanden zähmen, Vertrauen schaffen, sich etwas aufbauen, und dann ist dieser Fuchs ein besonderer Fuchs für jemanden.

Dazu gehört, dem anderen zeigen, dass man wichtig ist und sich nicht ausruhen auf “da bin ich aber schlecht drin”-Kommentaren.
“Ich verschenke so wenig, ich weiß, da bin ich schlecht drin, sorry.”
Okay – und jetzt? Jetzt was? Jetzt ruhst du dich darauf aus und arbeitest nicht an dir, um das besser zu machen?
“Sorry Chef, ich bin voll schlecht im Arbeiten” – wer kann da nicht mit Konsequenzen rechnen?
“Sorry Schatz, ich bin echt mega schlecht im treu sein und so” – Nein. Eben nicht. Wenn du weißt, du bist in etwas schlecht, was andere traurig machen könnte, dann ändere es und arbeite verdammt nochmal an dir. Ruh dich nicht aus auf deinem “kann ich nich, mach ich nich”, sondern ändere es.

Ich bin schlecht im NICHT diskutieren. Ich bin schlecht im Nachgeben. Ich bin wirklich schlecht im Briefkasten aufmachen, auf Wein verzichten, gesund essen, nicht auszurasten, wenn Sale ist.  Aber ich gebe mir Mühe.
Ich komme nicht jeden Abend besoffen nach Hause – “sorry, bin schlecht im wenig trinken” – sondern ich tue es einfach nicht. Ich komme nicht jeden Abend mit Shoppingtüten nach Hause – “sorry, ich bin schlecht im nicht bis zum finanziellen  Ruin Blusen im Sale kaufen”. Ich lasse es.
Für andere. Und somit für mich. Denn ja, mich macht es glücklich, etwas für andere zu tun.

Ich will der Fuchs für jemanden sein und ich will einen Fuchs haben. Ich möchte mich verlassen können. Ich möchte keine Ausrede aus Faulheit hören, sondern ein “für dich tue ich es. Ich versuche es.”.
Ich möchte kein “Keine Ahnung, ob ich später Zeit oder Bock habe” hören, sondern ein “Natürlich komme ich. Wir machen das.”.
Ich will kein “Aha, ich soll mich also für dich ändern????? Du willst mich ändern??” hören, sondern ein simples “Für ein Zusammenleben MUSS man sich anpassen, und ich ändere mich gerne insofern, dass wir besser zusammen passen.”

Ich will einen Fuchs. Ich will ein Fuchs sein.
Aber ich lebe in der größten Stadt Deutschlands und nicht im Wald – also wer weiß, ob das überhaupt noch möglich ist.

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2 Comments

  • Reply lisi ledbetter 29. März 2018 at 10:08

    oh liebe tara, ich glaube wir könnten bis in die unendlichkeit miteinander diskutieren! dafür nimmt sich auch niemand mehr die zeit!
    ich hadere sehr damit, dass ich mehr gebe als bekomme – vor allem in freundschaften.
    was mir geholfen hat, ist der gedanke, dass ich es ja nicht mache, weil ich etwas zurückbekommen will, sondern weil ich einfach nicht anders kann. und ich identifiziere mich mit sam aus herr der ringe. haha.
    aber dieser eine satz – “Ich möchte kein “Keine Ahnung, ob ich später Zeit oder Bock habe” hören, sondern ein “Natürlich komme ich. Wir machen das.” – der trifft mich hart, weil es leider zur normalität geworden ist..

  • Reply fashionlunch 31. März 2018 at 12:33

    Liebe Lisi (eine schöne Alliteration!)
    ich danke dir für deinen Kommentar.
    Diskutieren kann ich – und mache ich sehr gerne!

    Ja, der Gedanke ist vielleicht tröstend, aber nicht unbedingt beruhigend, finde ich: denn niemand kann nur davon leben, dass er immer gibt und nichts zurückbekommt. Dann verhungert man. You need to find something to eat or at least someone who feeds your soul 😉

    Ich wünsche dir schöne Ostern! 🙂

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