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Literatur: Unterwasserliebe

28. Mai 2017

Meine Wohnung ist mein Hafen und Papa, der alte Seebär, und Papa, der immer junge Held in meinem Kosmos, hat mir die Liebe zum Meer geschenkt.
Ich liege auf dem Bett und der Baum im Hinterhof, ich weiß nicht, was für einer es ist, im Hinterhof, der höher als ich ist, dabei bin ich 1,80 und der höher als ich ist, dabei wohne ich im 4. Stock, füllt den ganzen Hof aus.

„Und Abends, ab 19:06  ungefähr, ziemlich genau, wirft der Baum Schatten und das Sonnenlicht bricht sich und Wellen bilden sich an der Wand und bewegen sich und bewegen mich, die nicht mehr gebrochen ist. Und dann wirkt alles wie unter Wasser, endlich, nichts ist friedlicher, stiller, endlich wieder leicht.“

OK KID finden Worte, die ich nicht finde, weil ich nicht wusste, dass ich sie finden musste, um das auszudrücken, was ich fühle, weil ich nicht wusste, dass ich es fühlen wollte.
„Noch kurz warten, um
das Gefühl wieder zu haben
nicht mehr zu atmen
Bis die Tropfen neue Wellen schlagen
und der Frust endlich schweigt
Nicht mehr zu atmen
Sage nichts, denk nur laut
Tauche erst wieder auf
wenn Liebe nicht mehr laut ist
und wieder warten, auf das Endorphin
Endlich wir“

Unterwasserliebe und ja, Liebe ist laut, und unter Wasser leise und hier, in meinem Zimmer, um 19:14, ist Liebe leise, mit den Wellen an der Wand und dir neben mir, ich am Laptop, du am Laptop, ein Blick oder zwei und obwohl die Sonne nicht mehr wärmt ist mir nicht kalt.

Unter Wasser bin ich zuhause und ich wollte immer Ariel sein, damals. Und mit damals meine ich auch gestern Nacht, beispielsweise, wenn ich wieder träume, unter Wasser atmen und den Lärm der Welt vergessen zu können, wenn sie mir wieder mitten ins Gesicht brüllt, mich anschreit, dass ich weiter gehen soll oder diesmal wirklich zu weit gegangen bin – egal worum es geht.

Und dann bist du meine Zuflucht, denn ich habe gelernt, dass unter Wasser auch an Land sein kann und nicht nur Papa mein Kapitän sein muss und Wellen auch hier, in diesem Zimmer, im Prenzlauer Berg, existieren.

„Dass Wellen mich anspülen und wegtragen und hochziehen und runterdrücken und weichspülen und wach machen und einschlafen lassen und fliegen und untertauchen lassen und ich mich bewegen kann, wie ich will, irgendwie trotzdem mit dem Strom, irgendwie trotzdem im selben Rhythmus, irgendwie trotzdem zusammen.“

Irgendwie trotzdem. Zusammen. Unterwasser auch an Land und überhaupt, weggespült und angespült und gestrandet kann auch „angekommen“ heißen.

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