LIFESTYLE

Modeblogs sind der geilste Scheiß

2. September 2014
geil

Mädchen, die 14 sind und von Mama und Papa die fünfte Michael Kors und die achte Louis Vuitton geschenkt bekommen haben, weil „die Jenny und die Sarah haben aber auch alle die Gleiche, ich bin voll uncool, wenn ich die nicht habe, maaaan!“, sind keine ernstzunehmenden Blogger. Die Leute, die sich tatsächlich mit Blogs und Bloggern auskennen, und nicht einfach nur Lust haben, ein paar Klicks zu kriegen, indem sie verallgemeinern und sinnlos haten à la „Jeder, der das liest ist doof / Jeder, der ein braunes Shirt anhat ist Nazi // Jeder Pole klaut und jeder Inder stinkt“, wissen das auch. Allerdings ist es natürlich einfacher und soo funnyy, einen Text zu schreiben, der polarisiert – ob gute PR oder schlechte, hauptsache PR! Tokio Hotel und Co. haben es ja dadurch auch geschafft, also „Glückwunsch“ zu der Schublade, die ihr um euch gebaut habt und „Nein, danke!“ zu der Schublade, aus der ich, als MODEBLOGGER, ich 0815 H&M Schnorrer, ausbreche, weil sie mir schlicht und einfach nicht passt und viel zu klein ist.

Ich muss zugeben, ich musste ein paar Mal schmunzeln, als ich den Text gelesen habe und mehrmals zustimmend nickend – manchmal habe ich auch zu meiner verspiegelten Sonnenbrille oder meinen H&M Tops geschielt. Und kurz meinen Instagram Feed gecheckt und ja, tatsächlich, Pancakes und #foodporn ist auch dabei.

Aber nun einmal ganz von Anfang an:

 

#foodporn 

Ja, wir alle essen und ja, es ist nicht das erste Mal, dass ich lese, wie unwichtig und unnötig und dumm und generell eh scheiße Foodbilder sind. Genauso wie ich meine Waffeln und Beeren tausend mal poste und tausend mal woanders gesehen habe, habe ich diese Worte gehört. Das Schöne ist tatsächlich, dass wir ALLE essen müssen – alles andere wäre ja auch eher suboptimal. Ich kann nichts verwerfliches daran finden, wenn jemand seine Waffeln oder Pancakes oder Müsli oder was auch immer postet – denn das spektakuläre Festessen ist ja leider nichts für jeden Tag und mich persönlich interessieren die Standard-Langweiler-gerneauchProtein-Waffeln/Pancakes/[insert random Word here] mehr, als irgendwas, was ich eh nicht kochen kann und worauf ich auch einfach keinen Bock habe – dann doch lieber ein Rezept, was jeder gebrauchen kann. Aus dem Alltäglichen #foodporn machen – gar nicht SO schlecht. Veganes Eis übrigens auch nicht.

 

Der Schreibstil

Mein Lieblingskritikpunkt: Ich weiß ja nicht, von welchen Blogs die Rede ist – ich allerdings bevorzuge die grammatikalisch einwandfreien Blogs, wo Interpunktion auch keine Seltenheit ist. Zu dieser „SELTENEN SPEZIES“ gehöre ich übrigens auch, man glaubt es kaum. Ich lese sogar, Achtung, krasse Info, BÜCHER. So richtige, ohne lustige 3D-Flimmerbildchen. Genauso, wie ich Literatur studiere und auch gerne mal längere und durchaus interessante Texte schreibe – wage ich einmal zu behaupten. Übrigens: Der „Modeblogs sind ja so doof und so“ – Text ist auch nicht fehlerfrei. Aber da ich ja niemanden auseinandernehme, ohne mich vorher zu vergewissern, dass ich es wirklich PERFEKT kann und gemacht habe, sage ich nichts dazu: Kann ja jedem mal passieren, nicht wahr?!

 

#OOTD

Ich weiß ja nicht, ob ihr es wusstet – aber die Definition von „MODEBLOGGER“ ist NICHT: Mega ausgefallene, abgefahrene, total neue und hippe und coole Sachen. Und meines Wissens nach beinhaltet der hier als Beispiel dienende Hashtag nicht die Worte #ausgefallen, #hip, #andersalsalles, sondern schlicht und einfach OUTFIT OF THE DAY. Ich habe von mir niemals behauptet, besonders coole, trendy und fancy Sachen zu tragen. ICH habe einfach mal Spaß an Mode und an Kleidung – ohne zu sagen, dass ich mich besser als Anna, 22, Uni Dortmund anziehe. Aber irgendjemandem gefällt es – das reicht mir. Und wenn nicht, okay, ich habe absolut keine Ansprüche an Niemanden zu erfüllen. Ich denke nicht, dass es ein Problem der Blogger ist, dass Leser erwarten, jetzt was Tolles zu sehen. Generell verändert sich der Begriff der Blogger stetig – Blogs sind Tagebücher, Inspirationen, Vorschläge. Und wenn ich eine H&M Hose anhabe, die jeder zweite hat, dann ist das eben so. Mir sind Blogs mit Kleidung, die ICH MIR leisten kann, lieber, als erwähnte Blogger, die einen so abgefahrenen und teuren Stil haben, dass ich entweder niemals so auf die Straße gehen könnte oder niemals auch nur ein Teil davon besitzen könnte. Übrigens, denkt ihr denn echt, die kaufen sich das alles? Die ganz großen Blogger sind lange nur noch Werbeplakate. Man kann nicht in diesem Punkt darüber lästern, dass niemand so aussieht wie Chiara Ferragni und sich aber dann im nächsten beschweren, dass Blogs Werbetafeln sind – womit wir auch zu eben diesem Punkt kommen.

 

Die Schnorrerei

Da sind wir wieder. Auf Schnorrerei reimt sich übrigens Schwarzmalerei, oder auch VERALLGEMEINEREI – ach, das ist kein Wort? Sorry, ich bin Blogger, ich kann also kein einwandfreies Deutsch. Spaß beiseite, entschuldigt meinen Neologismus.

Im Grunde ist Bloggen – Überraschung – ziemlich viel Arbeit. TEXTE SCHREIBEN – ja, das tun Blogger tatsächlich –  Bilder machen, bearbeiten, SEO, Social Media…das ist Arbeit und ich denke, dass es kein Problem ist, Arbeit auch zu entlohnen. Und zwar nicht nur mit hübschen, gesponserten Kleidchen, alleine auch aus dem Grund, dass mein Vermieter keine Lust mehr hat, zu klein geratene Chinablusen als Miete zu akzeptieren.

Und ja, vielleicht hätten andere auch gerne Kleidchen GESPONSERT. Dann tut was dafür und steckt die Energie in harte Arbeit, anstatt rumzuhaten, in der Hoffnung, jetzt einen Internethit zu landen- das hat auch nichts mit Mogeln zu tun, sondern mit Entlohnung. Kleider GRATIS, also ohne ÜBERHAUPT IRGENDWAS dafür zu tun, hätte ich übrigens auch gerne. Das kriegen dann aber eher die Z-Promis, die zum zweiten Mal im Dschungelcamp waren. Aber auch die tun was dafür, immerhin essen sie dort mal einen Käfer oder zwei.

 

Die Sportfotos

Zitat: „Jede Modebloggerin macht Sport, […]“ – mein Zitat: 

  • Versuche, dich mehr zu bewegen! In Sachen Bewegung und Sport bin ich echt absolut gar kein Vorbild, deswegen kann ich euch hier nicht viel zu sagen. Ich könnte sicher sagen, dass ihr drei mal die Woche zum Sport gehen solltet, so oft Kniebeugen machen müsst, wie ihr nur könnt, etc. Aber das mache ich auch nicht. Obwohl es sicher besser wäre. Um es mit Carrie Bradshaws Worten zu sagen: “Shopping is my Cardio!” Eine richtige Ernährung macht übrigens 75% was aus – Sport 25%. Der Irrglaube, dass man nur durch Sport abnehmen kann, ist weit verbreitet, aber der Sport unterstützt nur, formt, strafft und ist natürlich gesund. Allerdings kann man nicht nur durch Sport und ohne Ernährungswechsel abnehmen – ich habe mal ein Mädchen auf dem Laufband gesehen, neben sich eine Flasche Cola. So viel konnte sie gar nicht rennen, wie normale Cola Kalorien hat.

Mehr sage ich zu diesem Punk nicht, denn er war direkt ab dem ersten Wort einfach nur falsch.

 

#things organised neatly

Langsam werde ich ein wenig müde, gegen jeden Punkt, der irgendwo ein „interessiert eh keinen“ versteckt hat, anzuschreiben. Aber tapfer wie ich bin, mache ich natürlich auch hier weiter. Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt – aber es gibt tatsächlich ordentliche Menschen, die Sachen einfach mal akurat rumstehen haben. Ich weiß ebenfalls nicht, ob ihr euch  vorstellen könnt, dass Menschen bei Fotoshootings nicht immer nackt sind und die neuste Gucci Kollektion vor der üppig gephotoshoppeden Brust gedrückt haben. Genauso verhält es sich mit Bildern der Einrichtung – da legt man halt auch einfach mal gerne was dazu, was das Bild oder den Gesamteindruck verschönert. Denn das ist der Sinn dahinter: Ein schönes Bild machen. BOOM, Erleuchtung. Ich bediene mich dann mal mit einem indirekten Zitat: Wenn ihr uns damit zeigen wollt, wie sinnlos all‘ unsere Bilder sind – danke, wir wissen es bereits.

 

Ihre Wohnungen

Blogger lassen sich gerne von anderen inspirieren und nur, weil es momentan „modern“ ist, weiße Möbel zu haben, heißt das nicht, dass es dort aussieht wie bei Dexter nach einem frisch verübten Mord – immerhin räumen wir die blutverschmierte Plastikplane danach noch weg, das ist doch schonmal was. Ich finde es ein wenig obszön, zu behaupten, Blogger hätten zu viel Zeit – so einen langen Text über Sachen, die ich scheiße finde, habe ich noch nie geschrieben. Ich konnte auch leider erst jetzt darauf antworten – vorher hatte ich keine Zeit. Nicht, weil ich arbeite oder studiere oder so. Nein, nein, ich war nur Shoppen. Was sonst.

 

Wir haben übrigens, so oft wie gesagt wird, Blogger sind sinnlos, mittlerweile verstanden, wie gerne du dich beschwerst. Du musst es nicht noch einmal extra erklären, denn ich denke, es ist offensichtlich genug, dass du alles sinnlos und generell eh vooooll doof und so findest. Schon klar, ganz so blöd sind wir nicht. Manche vielleicht, aber nicht alle. Genau wie manche, die NICHT bloggen, auch doof sind – waaas, echt? Wer hat das kommen sehen? Poah, ich nicht.

Ja, wir Blogger machen genau die selben Sachen wie „normale Menschen“, wir essen das Selbe, wir gehen in die selben Läden und auf die selben Parties. Das liegt ganz einfach daran, dass wir normale Menschen SIND, dass NIEMALS jemand behauptet hat, wir sind bessere, ausgefallenere Übermenschen, die mehr Ahnung von Mode und Essen haben als Andere. Nein, wir haben einfach Spaß daran, unsere #ootds und #foodporn Bilder zu teilen.

Übrigens denke ich nicht, dass die Welt eine bessere wäre, wenn nicht jeder einen Blog hätte – ich fände sie besser, wenn nicht jeder denken würde, er hätte das Recht, andere für ihr Tun in den Dreck zu ziehen, in der Hoffnung, ein paar Klicks zu generieren – denn genau das ist hier passiert.

Und jetzt viel Spaß dabei, sich über meine gewöhnlichen, langweiligen Waffel-Pancakes-Beeren-Foodporn-Interior-Bilder lustig zu machen.

geil

 

 

 

 

 

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6 Comments

  • Reply maxi 2. September 2014 at 21:34

    du bist halt echt und wirklich die geilste. top. yolo und so.
    #love

    • Reply fashionlunch 2. September 2014 at 21:38

      #swag #yolo #hashtag :**

  • Reply Vivien 3. September 2014 at 7:39

    Tara du bist die Beste 😀 sprichst mir total aus der Seele – klar hat die gute Verena nicht ganz unrecht mit ihren Aussagen was die Tatsachen betrifft worüber wir bloggen .. Aber ehrlich mal, who Cares? Wie verbittert und gelangweilt muss man sein sich unfassbar lang über ein Hobby/Leidenschaft anderer aufzuregen? Leben und Leben lassen – wenn mich etwas nicht interessiert dann ist das so, ich verfasse aber nicht Oden darüber wie „beschissen“ ich diese Menschen finde. Man man man .. 😀 Vivien

  • Reply Schnimpeline 4. September 2014 at 17:35

    Ich ziehe meinen Hut vor diesem großartigen Text und der Message! Ein sachlicher Konter dem nichts mehr hinzuzufügen ist!

  • Reply Christina 8. Oktober 2014 at 11:11

    Formidabel geschrieben und du hast so recht!
    Selbst wenn Bloggen sinnlos ist, mei es ist einfach ein Hobby. Und wenn man es gerne macht, dann hat es schon einen Sinn.

  • Reply ekulele 29. Oktober 2014 at 9:10

    Ein toller Text. Musste ein paar mal herzhaft Lachen :)
    Hast es super auf den Punkt getroffen!

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