LIFESTYLE

Wer hat gesagt, dass es leicht wird?

24. Januar 2014
double13

Wenn der Regen gegen mein Fenster tropft, kann es ganz verschieden sein. Wütend, laut, aggressiv, als wollte er mir sagen „Steh auf, geh raus, such dir dein Leben aus!“. Manchmal ist er leise, melancholisch und langsam. Als hätte er Mitleid, als würde er mich nicht zerbrechen wollten – selbst wenn ich drinnen sitze.
Und dann, dann fällt mir auf, dass das Schwachsinn ist. Weil es dem Regen völlig egal ist, was ich so mache und wie ich mich so fühle.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen „Glaube ich an sowas? Schicksal?!Ja, das MUSS Schicksal sein!“ und „Wer an so einen Schwachsinn glaubt, kriegt sein Leben echt nicht mehr auf die Reihe.“
Ich bin hin- und hergerissen zwischen nettem Mädchen und unausstehlichem Miststück.
Ich bin eher so der Schwarz-Weiß-Maler, eher negativ als positiv, obwohl ich Phasen habe, da bin ich positiver und stärker, als es die Situation erlaubt.

Wie ihr vielleicht jetzt schon erkennen könnt, steht eine wichtige Frage im Raum: Wer bin ich? Und warum eigentlich bin ich so, wie ich bin, wenn ich wüsste, wer ich bin?
Wer hat eigentlich gesagt, dass die Pubertät schwer ist? Klar, Hormone, man verändert sich, blabla. Das war nicht leicht.
Aber im Gegensatz zu der Grenze, wo das Studium bald zuende ist und die Frage kommt: Was kann ich eigentlich? Womit werde ich mal mein Geld verdienen? war die Pubertät ein Kinderspiel für mich. Es war einfach. Ich habe alles gehasst, alle unfair behandelt. die mir was Gutes wollten, und die, die schlecht für mich waren, habe ich vergöttert und wollte unbedingt so sein wie sie.
Mittlerweile tun mir viele Dinge leid, aber mir tun vor allem auch die Leute leid, mit denen ich früher befreundet war/sein wollte – denn viele von ihnen sind so unendlich tief gesunken.

Und sowas zu sehen schreckt ab. Wahrscheinlich wussten sie auch nicht, wohin mit sich. Die richtigen Abstürze, die ganz großen, die kommen später.
Ab 20,21,22,23,24… geht es los.
Karriere? Kind? Beides? Beides nicht? Was dann?

Manche haben ihr Ziel ganz klar vor Augen. Rennen lächelnd in ihre Zukunft hinein. Und dann? Entweder wird es so, wie sie es sich erträumt haben, und alles ist gut. Aber das ist selten. Irgendwo biegt man falsch ab, irgendwo wird man nicht gewollt, irgendwas klappt einfach nicht, wie man es sich vorgestellt hat – und dann steht man da, mit Lebensstücken in der Hand, und die Schultern werden zu schwer, um sie fragend hochzuziehen, und der Kopf wird zu schwer, um ihn oben zu halten.

Hört sich das zu negativ an?
Vielleicht.
Ich bin nicht unbedingt traurig.
Ich bin nachdenklich.
Etwas in mir will raus, aber ich weiß nicht, was es ist und wo es mit mir hinwill.
Ich weiß nur, dass sich was in meinem Leben ändern muss.
Es wäre einfacher, zu wissen, was ich eigentlich kann und was mich ausmacht.

Ich wusste schon früher nie, was ich in die ganzen Poesiealben schreiben soll: „Über mich“, „Das macht mich aus“, „Das bin ich“.

Ich habe es immer durchgestrichen.

Aber damit bin ich nicht alleine, das weiß ich.
Wie viele Sprüche gibt es „Ich bin ich“, „Ich bin so wie niemand sonst“, etc?
Ich glaube auch daran, dass jeder Mensch einzigartig ist. Aber ich denke nicht, dass wir uns alle so sehr unterscheiden. Wir weinen, wenn wir traurig sind. Wir schreien, wenn wir wütend sind – auch, wenn auch nur in uns hinein. Die Gefühle sind die selben. Und vielleicht, vielleicht sind diese „Ich bin ich“ – Sprüche ja entstanden, weil viele nicht wissen, was sie schreiben sollen bei „Über mich“ – und jeden angefangen Satz einfach wieder durchgestrichen haben.

Aber irgendwann, das weiß ich ganz genau – und vielleicht ist es ja das, was sich im Moment in mir zusammenbrodelt – weiß ich ganz genau, wie ich aussehen will. Wie ich sein will. Was ich mal machen will und was ich eigentlich kann.
Und falls mir dann noch einmal irgendwann ein Poesiealbum unter die Nase kommt. werde ich die halbherzig angefangenen Sätze bei „Über mich“ nicht mehr durchstreichen –
ich werde sie unterstreichen.



Und noch einmal eine kleine Randnotiz: Hier spricht einmal das liebe Mädchen: Bitte, kopiert diesen Text nicht, wie die anderen (wie zB „It goes on“) in euer Profil/Blog/wasauchimmer, ohne mich zu erwähnen. Das habe ich geschrieben. Nicht ihr. 
Und das Miststück in mir wird glaube ich wirklich böse, wenn ich das noch einmal verfolgen muss.

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4 Comments

  • Reply Dunja 24. Januar 2014 at 20:49

    Sehr schön geschrieben :) Ich glaube aber nicht, dass diese Zweifel nur in verschiedenen Lebensphasen kommen … Die meisten Menschen denken gar nicht so weit und so viel. Du gehörst leider auch dank Deiner Gene zu der anderen Spezies, die IMMER denkt und zweifelt. Hört nie auf…. aber je älter man wird, umso öfter hat man es schon wieder raus geschafft, und das gibt Kraft für das nächste Mal <3💋

  • Reply Hanni 25. Januar 2014 at 13:21

    I like that shit, Tara. Recht hast du. Dieser Umbruch nach dem Studium erscheint mir noch schrecklicher als der VOR dem selbigen… Aber ich glaube, man muss das alles als Chance sehen, sich nochmal neu definieren zu können. Und die Reise ist das wichtige, nicht das Ziel… Die wird noch eine ganze Weile gehen :)

    Ach und noch was… Ich feiere den letzten Absatz besonders 😀 Da tut mir’s kaputte Bäckchen schon weh vor lachen 😀

  • Reply Isa 26. Januar 2014 at 16:03

    super gut geschrieben & die Bilder gefallen mir total gut :) <3

  • Reply Glühwürmchen 27. Januar 2014 at 18:03

    tolle bilder :)
    schaust hübsch aus!

    <3
    http://www.gluehwurmi.blogspot.com

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