FASHION LIFESTYLE

Winter inside me

3. Dezember 2015

Ich wollte immer sein wie du. Du warst immer besser als ich, irgendwie. Hübscher, höflicher, hattest so unglaublich lange Wimpern und ein so unglaublich ehrliches Lächeln. Selbst deine Stimme war so anders…

Uns hat eine lange Geschichte verbunden, mit mehr Leid als nötig. Und danach eine Freundschaft. Viele Jahre und viele Emotionen. Manchmal frage ich mich, wie das geht, dass so viel Emotionen in einen Mensch oder in ein Jahr passen. Wie viel passt da rein, bis etwas platzt?

Bis jetzt ist nur mein Kaninchen gestorben, und das war schon schlimm, da habe ich sogar drüber gebloggt damals, weißt du noch? Über den Tod von dir habe ich nicht gebloggt. Nicht wirklich. Es ist jetzt über einen Monat her, aber der Splitter sitzt tief. Dein Name ist wie eine Wunde, er pocht im Hinterkopf, immer da, immer du. Jedes mal, wenn ich ein “C” in die Suche bei Facebook eingebe, erscheint dein Name als erstes. Unter “Fotos von dir” ist unser Bild eines der ersten. Wenn ich durch mein Handy scrolle, finde ich Screenshots von meinen Whatsapp Kontakten und bei einem Bild steht, dass du schreibst.

schreibt…“. Aber du schreibst mir nicht. Nie mehr. Und das fühlt sich so lange an. Und das fühlt sich so leer an. Ich kann nicht begreifen, dass du weg bist. Es ist nicht fassbar und doch so schmerzhaft anwesend. Das ist so wie wenn man als Kind seine Nase an etwas plattdrückt. Man ist so nah dran, dass man es nicht erkennen kann – aber weh tut es trotzdem.

Deine Augen hatten die Farbe von flüssigem Sonnenlicht. Könnte man Licht in Gläser abfüllen, dann nur wegen dir. Du hattest so viel Farben in dir und ich habe mir viel von dir abgeguckt. Du warst damals immer mein “Non Plus Ultra” und das habe ich dir auch in meinem Abschiedsbrief geschrieben. Ich habe ihn dir überbringen lassen, aber ich weiß, dass du ihn nicht zu ende gehört hast..es war zu anstrengend für dich. Aber ich hoffe, du weißt das alles auch so.

Du warst so mutig wie niemand sonst. Ich kenne keinen Menschen, der so tapfer war. Du warst wie eine Actionfigur, unkaputtbar, biegsam, du bist immer wieder aufgestanden, stärker als vorher. Aber jetzt bist du liegengeblieben. Aber der Krebs hat dich nicht besiegt, das sehe ich nicht so. Niemand hätte dich je besiegt. Der Klügere gibt nach, oder? Wahrscheinlich hast du nach mehr als 10 Jahren einfach gedacht, dass es woanders schöner sei.

Der Tod ist so komisch. Er ist so simpel. Tod. Aus. Vorbei. Nie wieder.

Aber so einfach ist das nicht. Nie wieder deine Stimme. Nie wieder ist das Sonnenlicht so warm wie damals. Nie wieder mit dir diskutieren. Nie wieder schreibst du mir. Aber ich, ich schreibe dir immernoch. Der Tod ist so simpel, aber ich verstehe noch nicht, dass keine Antwort mehr kommt. Aus. Vorbei. Nie wieder.

10685482_626979030754985_3787315984408554102_n

 

You Might Also Like

3 Comments

  • Reply rike 3. Dezember 2015 at 0:18

    Liebe Tara,

    danke Dir für deine treffenden, einfühlsamen, wundervollen, schmerzerfüllten, traurigen, schönen Worte.
    Ich durchlebe derzeit genau das Gleiche. Die Worte, die mir gerade noch fehlen, findest du.
    Danke. Liebste Grüße und ganz viel Kraft sendet Dir Rike

  • Reply Marie 1. Januar 2016 at 20:36

    Krebs sollte nicht mehr sein als ein Sternzeichen.
    Mein aufrichtiges Beileid zu deinem Verlust.

  • Reply tatjana 23. Januar 2017 at 8:18

    <33

  • Leave a Reply