LIFESTYLE

Filmkritik: The Hateful 8

4. Februar 2016

Tarantino kennt man, man mag ihn oder man hasst ihn. Was man aber zu diesem durchaus polarisierenden Regisseur sagen kann, ist: Wer ihn nicht mag, ist doof.

Nein, mal im Ernst – Tarantino ist bekannt für seine abgedrehten Filme und seine völligen Splatter-Matsch-Einlagen. Also nichts für schwache Nerven – außer man geht mit Humor dran. (BÄM, Headshot – voll ins Knie!)

Seinen 8. Film, The Hateful 8 oder The H8ful Eight, wie man es eben mehr mag, mochte ich persönlich besonders gerne. 8 Menschen, die während eines Schneesturmes in einem “Miederwarenladen” zusammenkommen und allesamt nicht gerade sympathisch sind – dass sie also “hassenswert” sind, trifft es. Immer, wenn man einen Charakter gerade beginnt, irgendwie nett zu finden und sich seinen persönlichen “Hoffentlich überlebt der, den mag ich” rausgesucht hat, baut er so eine Scheisse, dass man sich denkt “…nevermind….”(Nach diesem Prinzip suchen sich viele Mädchen auch übrigens ihren Freund aus, oh der ist sicher nett, oh mh, doch nicht so, okay, ach, egal, ich hab’ nix gesagt……….)

Ich fand immer, dass Tarantino ein Gespür hat für menschliches Handeln – sei es Rache aus Rache, Rache aus Liebe, Moral, Unmoral. Irgendetwas davon, ein wenig wie “Und die Moral von der Geschicht…” gibt es bei ihm immer. Eine moralische Instanz, etwas Gutes, aber hier nicht. Hier findet man alle scheiße und alle irgendwie nicht. Ich war quasi die ganze Zeit von mir selbst gespannt, wen ich mögen werde, und wen doch nicht und was jetzt passiert. Für viele wird die erste Zeit des Filmes, in dem nur geredet wird und sich um “das Menschliche” gekümmert wird, zu langatmig sein – für mich allerdings war es perfekt.

In diesem Film gibt es übrigens humorvolle Stellen, also richtigen Humor, wo man dann auch lachen DARF, weil es WITZIG sein soll, nicht, wie wenn man bei massakerartigen Blutspritz-Einlagen loslacht – da steckt man schneller in weißen Jäckchen, als einem lieb ist. Es gab Szenen, wo gelacht wurde und auch gelacht werden durfte, was mich überrascht hat. Noch mehr überrascht hat mich, dass es mich nicht nur überrascht hat, überrascht zu werden, sondern dass ich sogar positiv überrascht war (vom überrascht sein)..überrascht? Nein? Ja? Ne? Ja? Ich auch. Also Nicken und weiterlesen, das klappte in der Schule auch immer.

Wie eben erwähnt, sind die Gespräche sehr langatmig – aber keine Sorge, es wird genug für alle gematscht, nur nicht drängeln. Allerdings findet man zwischen all den Kopf-Gehirn-Resten und Rumrotzen eine tiefere Handlung: Der Film selbst behandelt die Thematik der Rassenfeindlichkeit, denn trotzdessen, dass Sklaverei zu dieser Zeit schon abgeschafft wurde, waren dunkelhäutige Menschen als nicht gleichwertig angesehen. Wer zart besaitet ist und bei dem bösen N-Wort zusammenzuckt, sollte sich vielleicht eine Packung Ohropax mitnehmen.

Generell ist dieser Film nichts für schwache Nerven und das liegt nicht einmal an dem ganzen Blut, das, wie gewohnt, die Filme Tarantinos einfärbt. Es ist eher die Tatsache, dass es eben nicht so einfach ist, zu entscheiden, wer der Gute und der Böse ist – den gibt es hier nicht. Den soll es hier nicht geben. Man erkennt eben nicht immer, wer gut ist und wodurch man überhaupt gut ist.

 

You Might Also Like

3 Comments

  • Reply Diandra 4. Februar 2016 at 22:48

    Gefällt mir sehr gut! Deine Art, eine Filmkritik zu schreiben, finde ich wirklich gelungen. Ich lese Filmkritiken eigentlich wirklich selten und schaue nur die Trailer. Die meisten Kritiken finde ich einfach irgendwie so…naja…ich weiß auch nicht…bäh eben.
    Aber deine mag ich. Herzlichen Glückwunsch! Ich weiß, davon kannst du dir jetzt nix kaufen oder so. Aber darf ja mal gesagt werden.

    Den Film wollte ich mir sowieso angucken, da ich tatsächlich Tarantinos Filme ziemlich mag. Dein Beitrag hat mich einfach nochmal ein Stück mehr in der Entscheidung gepusht. Merci!

    • Reply fashionlunch 4. Februar 2016 at 22:56

      Vielen Dank, dann ist das ein sehr großes Kompliment für mich!:) ich möchte es eben so machen, wie ich eben schreibe, frei ab von den allgemeinen Meinungen und Kritiken…

  • Reply Sabi 6. Oktober 2016 at 22:08

    Ich bin eine der doofen Personen 😀 Ich mag Tarantino nämlich überhaupt nicht 😀 Ich kann mit dem einfach nichts anfangen, ist mir alles ein bisschen zu strange 😀 Aaaber muss ja solche und solche Leute geben und die Filmkritik ist definitiv cool geschrieben 🙂

  • Leave a Reply