FASHION LIFESTYLE

Ich trage Fakes, um beliebt zu sein

10. März 2016

Ich weiß, ich weiß. 80% der Leute haben jetzt hier draufgeklickt, weil sie sich gefreut haben: “HA, jetzt haben wir wen, der es zugibt! Die tut nur so, als ob!! DIE IST NÄMLICH DOCH SCHEISSE!!!”

Neben Menschen, denen gefällt, was du tust, gibt es nämlich auch vor allem Menschen, die unbedingt wollen, dass du was falsch machst. Denen macht es keinen Spaß, sich abends vor dem Schlafengehen ins Bett zu legen und deine Bilder anzugucken oder deine Texte zu lesen. Sie warten schlicht und einfach darauf, dass du irgendwo scheiße aussiehst. Einen Tippfehler machst. Es ist so viel amüsanter, sich aufzuregen, als sich zu freuen. Das sind keine Fans, sondern “Hater-Fans”. Leute machen sich sogar Fake Accounts, um bei anderen dann was schlechtes drunterzuschreiben, um endlich das rauszulassen, was man demjenigen schon immer einmal sagen wollte, ohne es mit dem eigenen Namen tun zu müssen. Man ist doch anonym, in diesem Internet, oder nicht?

Nein, wir nicht. Blogger nicht.

Und wir müssen interessant sein, gefälligst! Was zu bieten haben! Und immer die teuerste Tasche. Denn es ist nicht wichtig, ob ich einen eigenen Stil habe. Niemand will, dass ich aussehe, wie ich aussehe. Ist doch egal, wie ich mich anziehen würde. Wichtig ist, dass ich die neueste IT-Bag habe. Dass ich jedes Trendpiece besitze, denn das klickt ohne Ende.

Wer guckt sich schon gerne Mädchen an wie du und ich? Das nette Mädchen von nebenan? (Ich bin nichtmal wirklich nett.) Jeder will nahbare Stars, “coole, erfrischende Frauen”, aber all die operierten Barbies, die ihre ganze Snapchatstory damit vollmüllen, wie sie zu irgendwelchen Liedern mitsingen und sich lasziv im Bett rumwälzen, sind das, was sich alle angucken. Ist doch egal, ob du was im Kopf hast, hauptsache, du hast was in der Geldbörse.

Frauen fordern Emanzipation, die sich aber nicht dadurch zeigt, gebildet zu sein, sich etwas aufzubauen und kein halbnacktes Fitnessmodel zu sein, sondern nur, dass man sich die Designertaschen nicht mehr von Papa kaufen lässt, sondern es selber macht. Dass man jetzt im “Beastmode” ist und seine pinken Proteinshaker schwingt und sich dabei filmt, die blonden, langen Haare im perfekt konturierten (schwitzen die nicht?!) Gesicht.

Es ist wichtig, Geld zu haben. Jeder Blogger, den ich beim Wachsen zugesehen habe, hat nach und nach Designertaschen bekommen. Und somit immer mehr Fans und den Standardkommentar darunter: “Die Tasche!!! *random Herzchenaugen Smiley*

Und ich kann es sogar verstehen.

Klar, je mehr man verdient, desto mehr möchte man sich gönnen. Wenn Fashion dein Hobby ist, kaufst du dir irgendwann auch hochpreisigere Taschen. Ich werde das auch so machen. Ich bin aber auch keine 18 mit reichen Eltern, die alles haben, was andere wollen und denken, dass sie dadurch etwas sind. Dass sie im wahr gewordenen Traum leben, Bilder aus der Karibik posten mit der neuesten Chanel und einem riesigen Strauß Blumen, weil dich dein perfekter Freund so liebt, weil du eben auch so perfekt bist. Das ist einfach eine neue Kunstform. Wie Filme angucken. Man träumt sich herein oder lässt sich drüber aus. Beides ist möglich. Du bist Entertainer, du lässt andere daran teilhaben, was du alles hast, indem sie sich wünschen, so zu sein wie du, oder dich dafür hassen, dass du das hast, was du hast.

Und das soll es also gewesen sein?

Taschen zählen mehr als Texte, Followerzahlen auf Instagram mehr als guter Content?  Es ist egal, ob du was zu sagen hast, wenn deine Zahlen nicht sagen, dass du wer bist. Es ist egal, ob du schreiben kannst, wenn du nicht wenigsten ein schönes Flatlay mit passenden Jimmy Choo Schühchen dazu posten kannst. Hast du was, bist du was – hast du nichts, bist du nichts. Man erkennt Blogger mittlerweile am Stil. Das ist ja irgendwie traurig, oder? Alle die selbe Tasche, die selben Schuhe, wie die Barbie, die man nie hatte. “Ist die pinke Jacke von Mango tragbar? Warte, ich gucke mal bei Instagram, die hat sicher irgendeine Bloggerin an…”

Fake Taschen Blogger

Ich trage keine Fakes.

Aber ich habe so oft überlegt, wie es wäre, wenn ich mit einem Schlag nur noch High Heels im Winter anziehen würde und alle Trendtaschen auf dem Bett rumliegen habe. Wie es wäre, wenn ich nicht mehr rede und nur noch zeige. Wie oft mir Agenturen dann sagen würden, sie sind bereit, mehr zu zahlen, weil die Zahlen dann stimmen – die Texte sind nicht so wichtig.

Wichtig, was innen ist, ist nur noch, wenn es um das neue “What’s in my bag” geht. Bücher müssen nicht mehr reinpassen, du hast ja dein Smartphone dabei. Ich selbst spreche mich ja nicht einmal davon frei. Ich selbst finde Blogger, die aussehen wie Lisa XY aus Castrop-Rauxel, Stammkundin bei H&M, nicht so interessant, wie all die leichtbeschuhten, ohne Winterjacke in Paris tummelnden 30kg Girls, die perfekt aussehen – nicht wie Blogger, sondern wie Models. Die neuen Stars. Und eben doch die neue Definition von Blogger.

Outfit Weste Military Style Outfit Oversized Hemd Shirt

 

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4 Comments

  • Reply Anna 11. März 2016 at 0:07

    *hater fan* Apropo Fehler suchen 😉 du hast einen Tippfehler bei snapchat 😀 ..
    Haha.
    *echter fan* wieder einmal ein toller Post den man 2 oder 50 Mal liest 🙂
    LG Brüggener Frosch Görl

  • Reply Feli 11. März 2016 at 9:46

    toller post, du hast mal wieder so recht 🙂 und ich bin kein hater-fan, sondern ein riesen fan von dir! liebe grüße, feli von http://www.fckeduptwenties.wordpress.com

  • Reply Sophie 11. März 2016 at 11:43

    Klasse Post! Das sind Gedanken, die ich mir in letzter Zeit auch immer häufiger gemacht habe!
    Das ist schon schade eigentlich. :/

  • Reply Favorites Of The Week | Clarabour.de 13. März 2016 at 19:14

    […] Beitrag: Den Beitrag "Ich trage Fakes, um beliebt zu sein" von fashionlunch.de kann ich euch sehr […]

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