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Literatur: Dieser eine Mensch

23. Februar 2018

Dieser eine Mensch, wer hat ihn nicht.
Wenn ich dir sage “Erzähl mir von dem einen Menschen, der, über den du nie hinweggekommen bist”, dann sehe ich, egal wen ich angucke, immer den selben Blick.
Verklärt, abgedriftet, zurückdenkend, die eine Hand, der letzte Blick, das traurigste “Was wäre wenn…”.
Wenn Väter ihre Kinder beiseite nehmen, abends irgendwann, nach einer Familienfeier, die Kleinen sind im Bett, die Frauen trinken noch einen Kaffee, und die Männer nehmen ihre Söhne, die alt genug sind, um “Verliebt sein” zu verstehen – aber nicht, was es heißt, jemanden wirklich zu verlieren – zur Seite und flüstern ihnen zu, im Vertrauen: “Sag das niemandem, auch nicht Mama, aber weißt du, meine große Liebe, die habe ich verloren.”
Große Augen, offene Münder und diese eine Frage: Warum?
Lange Geschichten mit traurigem Ende und der Schwur, das was Papa passiert ist, das passiert mir nie.
Und auch  sie werden Väter und auch sie werden erzählen, weißt du…vielleicht, vielleicht habe ich die große Liebe verloren, wahrscheinlich, niemals tat jemals wieder sowas so weh.

Und dann bist da du, wir beide, und ich hänge an deinen Lippen bei jedem Wort und dein Kopf ist voller Farbe und deine Stimme voll Melodie und ich frage mich, ob das die große Liebe ist und woher man weiß, dass sie es ist, wenn man sie noch nicht verloren hat.

Ich liege neben dir und deine Hand setzt meine Haut ins Feuer und deine Arme löschen mich, du ziehst mich an dich und ich bin zuhause und dein Blick ist voller Zukunft und ich frage mich, wem ich später von dir erzählen werde und was ich dann sage: “Meine große Liebe, die steht in der Küche, ruf ihn mal, Papa?!” oder aber “Weißt du, damals, meinen große Liebe, ich war nicht seine, er war meine…”

Dieser eine Mensch, voller Farben und Musik, der “ich will in deinem Kopf leben”-Mensch, der “Ich will mein Leben mit dir verbringen”-Mensch, der “an diesen Menschen kam niemand mehr ran”-Mensch.

Ich will alles verzehrende, Wälder niederbrennende, Felsen einreißende Flammen oder Wellen oder Feuer oder irgendwas, was mich verzehrt und wiederholt – ich will das alles mit dir, zusammen und ich weiß, du willst mich auch, aber nicht, weil ich ich bin, sondern, weil ich da bin.

Und dann sitzen wir da und schauen uns an und ich sehe die Liebe meines Lebens und du siehst: eine Liebe in deinem Leben.
Und dann frage ich mich, ob ich ein Kapitel bin oder ein Buch, während ich weiß, du bist mein ganzes Bücherregal, die ganze Wohnung, das ganze Haus und vielleicht – es klingt kitschig, es klingt furchtbar, und ja, es klingt so wunderschön – die ganze Welt.
Wir alle haben diesen einen Menschen und ich hoffe, ich bin deiner.
Wir alle haben diesen einen Menschen und ich weiß, du bist meiner.

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3 Comments

  • Reply Tina 24. Februar 2018 at 0:01

    Wunderschön geschrieben- ich liebe es einfach deine Texte zu lesen und Und “an ihnen herum zu denken “.
    Danke dir dafür <3

    Xxx
    Tina

    https://styleappetite.com

    • Reply fashionlunch 24. Februar 2018 at 19:32

      Es freut mich sehr, dass es dir gefällt 🙂

  • Reply tatjana 6. März 2018 at 11:45

    wieder ein toller text! ich kann einfach nicht genug davon kriegen <3
    …denn immer wieder scrolle ich durch und lese deine alten texte <3

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