#taratalks LIFESTYLE

#taratalks: Kaffee, vielleicht später

30. April 2018

Sie sitzt auf dem Balkon, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und denkt an ihn uns sich und beide, damals.
Es hat sich verändert und mit „es“ meint sie vielleicht auch einfach „ihn“.
Er ist anders und das macht ihr Angst.
Sie hat Angst davor, wie er sie ansieht, weil er sie, findet sie, irgendwie, oder nicht?, nicht mehr ansieht.
Er sieht sie, aber er sieht sie nicht, er ist blind für sie geworden und überhaupt, irgendwie ist ihm das doch egal, oder?
Sie weiß es nicht. Sie weiß das nicht.
Er sagt “Nein” und sie fühlt “Doch”, sie ist nicht bescheuert, auch wenn er sie einfach nur noch bescheuert findet.

Und, wie schrecklich das ist: Mit jemandem zu sitzen, der sich wünschte, man wäre jemand anderes.
Die von früher vielleicht, oder die aus der Zukunft, jemand neues, jemand besseres, “du hast mich mal geliebt, weißt du noch? Als du nicht so wütend warst, permanent, als ich dich nicht so enttäuscht habe, permanent, als ich, ich weiß nicht, weißt du noch…?”

Früher war es ein „Guten Morgen“, heute ist es – Nichts.
Früher war er sauer, wenn das „Gute Nacht“ fehlte, heute ist es eine SMS, zwei Stunden später: „Schlaf auch gut!:)“ – Weniger.
Früher war es ein „Ich liebe dich“ und heute ein „Ich hab dich lieb“ und wenn sie fragt, was das heißt, wird er wütend: „Ahja, ich sage dir sowas und selbst das ist falsch?“ und sie, und sie, und sie weiß nicht mehr, was sie machen soll, sie merkt seine Wut und sie spricht seine Wut an und er, und er, und er, er sagt: „Ich bin nicht wütend.“ – Hilflos.


“Und ich, und ich, und ich, ich bin zerbrochen und ich weiß nicht mehr und weißt du noch…?
Wir zwei, verliebt, du wolltest mich sehen und um dich haben, und jetzt, da sagst du mir, mein ständiger Wunsch nach Kontakt, das ist dir einfach zu viel, und du brauchst es, nichts von mir zu hören, mich nicht zu sehen, nur dann kannst du mich vermissen, und ich höre das und zerbreche und du hörst, dass ich zerbreche, am Telefon – gesehen haben wir uns länger nicht – und du redest einfach weiter, ich weine nicht zu laut, man versteht noch alles.”

„Ich kann das nicht“, sagt sie, „Ich weiß“, sagt er, und trotzdem, hier ist sie, wieso auch immer, denn sie will ja niemand hier haben und mit „niemand“ meint sie ihn, denn jemanden wollen geht anders, er will nicht, sie merkt das, sie weiß es ganz genau und denkt trotzdem, sie könnte ja gehen, sie sollte wirklich, wirklich, wirklich einfach gehen.

Klar, er sagt, er sagt nichts ab, für wen denn auch, “für meine Exfreundin!?”, das sitzt tief, ein Schlag in den Magen und  er hört, wie sie keucht, das tat weh, und er sagt “ich muss jetzt mal direkt sein”, während sie auf dem Boden im Regen sitzt, das Telefon am Ohr und weint, aber das weiß er ja nicht, er sieht sie ja nicht, er sieht sie nicht mehr an.

“Gedankensplitter an damals, wir zusammen, Hand in Hand, Koalaohren auf dem Festival, im Hintergrund irgendeine Band und in unserer Hand irgendein Bier, das fahl wurde, wie die Erinnerung daran, an uns, wir waren mal glücklich, damals, weißt du noch …?

Schallplatten im Sommer, Gitarre auf der Couch, Wein am Abend, bevor ich zu viel von mir selbst wurde, bevor du gar nicht mehr ertragen hast, wer ich bin und was ich mache und was ich will, was du willst war nicht ich und das lässt du mich spüren und ich renne dir hinterher und kriege nichts – ich bin alleine und du auch, du willst das, du willst mich nicht, weißt du noch, als du mich wolltest…?”

SMS an ihn und keine Antwort, “alles gut”, schreibt er ihr, während nichts gut ist, “du willst zu viel”, sagt er ihr, während sie überlegt, wie sie ihn endlich nicht mehr wollen kann, tagelang kein Kontakt und das ist okay, anscheinend, das macht  keinen Sinn mehr, denkt sie, oder?

Ein Kaffee, irgendwann, dann, wann man reden kann, also später, nicht jetzt, das ist zu empfindlich, aber sie, sie muss sich erst einmal wieder aufsammeln, die Splitter ihrer Selbst und anstatt ihm das zu sagen, das alles, sagt sie:
“Klar. Kaffee.” und denkt daran, wie schnell aus
“Ein Leben zusammen” ein “Kaffee, vielleicht später” wurde.

Vielleicht war sie zu oft zu wütend und wenn sie wütend war, dann nur, weil sie verletzt war, und vielleicht hat sie ja alles falsch gemacht, und vielleicht aber auch nicht.
“Ich weiß nicht, weißt du noch, meine Gedanken rasen und ich gucke aufs Handy und es passiert nichts und vielleicht passiert einfach nichts mehr, weil zu viel passiert ist, komisch oder? Man will das selbe und kriegt am Ende: weniger. Nichts.”

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3 Comments

  • Reply Sabi 11. Juni 2018 at 22:01

    Dieser Text spricht mir wie aus der Seele. Jedes einzelne Wort ist für mich wahr. Wunderschön geschrieben. Man fühlt den Schmerz richtig mit.

  • Reply Jana 26. Juni 2018 at 21:18

    Der text ist so herzzerreißend <3

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