LITERATUR

Literatur: Liebeskummer ist deine eigene Schuld

20. Dezember 2017

“Wir sind Herr unserer eigenen Gedanken”. Das sagt man immer mal so den Leuten, denen es schlecht geht, aber nicht, weil wir es wirklich glauben, sondern weil es sonst nichts gibt, was wir sagen können, wenn unsere Freundin heulend bei einer Flasche Wein und einem Eimer Eis auf dem Boden sitzt und wieder wegen einem Arschloch weint.

Dabei ist “Arschloch” hier schon zu 90% der falsche Begriff: Meist hat er sie einfach verlassen, weil er sie nicht (mehr) geliebt hat. Oder aber nie geliebt hat. Oder sie betrogen hat, weil er zu feige war, um es zu beenden (und das sind die 10%, die den Begriff Arschloch verdient haben – Feigheit ist kein Freifahrtschein für schlechtes Verhalten)

Und dass er sie dann verlassen hat, bricht ihr zwar das Herz – aber dann ist es wenigstens vorbei.
Vorbei die falschen Hoffnungen, die Zukunftsmusik dudelt einem nicht mehr um die Ohren und seine Zahnbürste in ihrem Becher staubt langsam ein.

Wie das gut sein kann, fragst du?
Ganz einfach: Du bist frei. Frei von falschen Hoffnungen. Frei von “wie sieht eigentlich mein Vorname neben seinem Nachnamen aus?”,  frei von diesen ewigen Streitereien, die meist mit “du liebst mich gar nicht!” und wütenden WhatsApp Nachrichten an die Mädelsgruppe enden.
Frei von dem Ärger, dass er sich anders verhält als du es gerne hättest, denn das ist meist der Knackpunkt: Du hast eine Erwartung, wie dein Partner nun reagieren sollte, die er nicht erfüllt – daraufhin folgt Frust deinerseits, den er nicht versteht, weil er es nicht versteht bist du noch frustrierter, woraufhin er wütend wird, was dich  zum ausrasten bringt, denn wie kann er es wagen, wütend zu sein, wo DU DOCH SO ENTTÄUSCHT WURDEST?
Es stimmt nämlich: Wir sind Herr unserer eigenen Gedanken. Du liebst ihn? Alles klar, verstanden. Er behandelt dich nicht so, wie du willst? Wieder und wieder und wieder? Einfach: Geh.

Lass es. 
Lass dieses ständige sich was vorwerfen, vorwerfen lassen, sich andauernd auseinanderwerfen, Dinge-an-die-Wand-werfen, sich zerwerfen, nur um sich anschließend selbst einzureden, dass das “nur eine Phase ist”. Vielleicht ist das keine Phase, sondern die Realität und du warst für ihn nur eine Phase.

Es ist okay, etwas zu beenden

Und das ist okay. Niemand kann etwas für seine Gefühle: Man muss sie nur erkennen. Man muss der Part sein, der erkennt, dass man so nicht behandelt wird ODER jemanden so behandelt, wenn man liebt: Und dann, wenn man endlich SIEHT, was man schon lange weiß, muss man nur noch eins tun: gehen.

Verlassen und verlassen werden macht nie Spaß, aber man kann es durchaus erwachsener machen, als es die meisten Leute tun: Mit Würde und Anstand. Du darfst weinen, du darfst alles unfair finden, aber im Endeffekt ist es vor allem: Befreiung.
Kein sich ständiges Anbrüllen, Anschreien, Grundsatzdiskussionen über Dinge, die mit anderen Leuten so einfach sind, Festhalten an einer Idee die schon lange keinen Sinn mehr ergibt, Festhalten an einem Menschen, der schon lange keinen Sinn mehr in dir sieht.

Wenn man erst einmal verstanden hat – bei manchen geht es schnell, bei manchen dauert es länger, andere erleben es nie – dass man niemanden braucht, um glücklich zu sein, schafft man es auch, zu akzeptieren, dass manches einfach keinen Sinn hat.

Einer der wichtigsten Lektionen, die ich im Leben gelernt habe, ist:

Liebe allein genügt nicht

Du kannst jemanden lieben, aber es wird nichts bringen, wenn es nicht erwidert wird.
Du kannst denjenigen kaputtlieben – kaputt gehst dabei nur allein.
Liebe beruht nicht auf Taten. Liebe ist einfach da – oder eben nicht.
Sympathie ja, aber keine Liebe. Liebe ist nicht erklärbar oder rational. Du kannst die beste Person der Welt sein: wenn du nicht geliebt wirst, wirst du nicht geliebt. Das hört sich so abgedroschen an wie “Wenn du kein iPhone hast, hast du kein iPhone” – aber, tja, was soll ich sagen:
Es stimmt.
Da hilft auch kein “Wieso liebst du mich nicht?” sondern nur ein “Du liebst mich nicht”.
Du darfst weinen, du darfst das unfair finden – das ist es sicher, denn du wolltest ja nichts, außer ebenfalls geliebt werden – aber niemandem die Schuld daran geben. Gefühle sind nicht rational.
Wenn du erkennst, dass du nicht nur eine Beziehung beenden kannst, weil du nicht mehr liebst, sondern auch, weil du nicht geliebt wirst und genau du dann gehen solltest, erkennst du:

Liebeskummer ist deine eigene Schuld.
Du darfst traurig sein – aber untergehen darfst du nicht.
Du darfst Eis essen – aber dich gehenlassen darfst du nicht.

Nur, weil du jemanden hast gehen lassen, der dich nicht geliebt hat, heißt es nicht, dass du nicht geliebt werden kannst – im Gegenteil:
Endlich ist da Platz für jemanden, der dich lieben kann.

Und will.
Und wird.

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5 Comments

  • Reply beri 25. Dezember 2017 at 15:26

    Ich finde es faszinierend, wie du es immer wieder schaffst die richtigen Worte zu finden!

    • Reply fashionlunch 27. Dezember 2017 at 19:19

      Danke dir für deinen Kommentar – das freut mich sehr! 🙂

  • Reply Melaine 4. Januar 2018 at 12:05

    oh wow. wahnsinn. es ist als würdest du mir gerade aus der seele sprechen. ich fühle mich allmählich geheilt von diesem schmerz, aber eben noch nicht ganz. ich schwebe zwischen “scheisse, er hat mich nicht geliebt” und “endlich, endlich kann mich wieder jemand lieben”. hast du gerade auch eine trennung hinter dir?

    • Reply fashionlunch 4. Januar 2018 at 13:04

      “Gerade” nicht, aber ja, eine lange und ziemlich harte. Ich kenne das Gefühl nur zu gut 🙂

      • Reply Melaine 4. Januar 2018 at 14:02

        dann freut es mich umso mehr, dass du über diese gefühle, denen man sich währenddessen und danach ausgesetzt fühlt, so schön und ehrlich schreiben kannst. danke und alles gute! 🙂

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