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#taratalks: Ready-made goals und die Frage nach der eigenen Persönlichkeit

5. Juni 2018

Ich habe die letzte Woche ein Zitat gelesen, was mich seither ziemlich beschäftigt und mich dazu gebracht hat, den Gedanken, den ich schon lange hatte, weiter auszuführen. Ich habe mir quasi selbst die Erlaubnis dazu gegeben, endlich weiterzudenken und mir darüber im Klaren zu werden, ob es auch mich betrifft und ich kann ganz klar sagen: Ja.

Ready-made goals: bin ich noch ich und wer ist das eigentlich?

Das Zitat, von dem ich spreche, ist von dem berühmten Sozialpsychologen und Philosophen Erich Fromm, aus dem Buch “Die Furcht vor der Freiheit”. Das Buch habe ich mir sofort gekauft und es berührt mich zunehmend. Es ist so, als ob ich meine eigenen Gedanken endlich verstehen könnte.

“Modern man lives under the illusion that he knows ‘what he wants,’ while he actually wants what he is supposed to want. In order to accept this it is necessary to realize that to know what one really wants is not comparatively easy, as most people think, but one of the most difficult problems any human being has to solve. It is a task we frantically try to avoid by accepting ready-made goals as though they were our own.” – Erich Fromm

Und dann liest du das und denkst dir – erstmal gar nichts. Die Erkenntnis darüber, dass das vielleicht einfach stimmt, trifft dich hart und bringt dich ins Wanken.
Heiraten? Klar, das hörte sich immer schön an… aber habe ich jemals davon geträumt, schon als Kind?
Nein.
Wird es der schönste Tag meines Lebens?
Nein. Wieso auch? Ich werde auf einem Stück Papier stehen haben, dass derjenige, mit dem ich ja sowieso schon zusammen bin, mit mir zusammen ist, ganz offiziell.
Wow, das ist ja…umwerfend.
Und Kinder, toll!
Also, glaube ich. Sagen doch alle, der? Und der Schlafentzug, das macht doch nichts, wenn das Kind dich einmal anlächelt ist alles vergessen… aha.

Und wenn das alles gar nicht mein Leben ist? – die Erkenntnis, anders zu sein in einer Welt, in der jeder anders sein will

Wir kriegen Tag für Tag gepredigt, dass wir doch bitte akzeptieren und vor allem auch zelebrieren sollten, dass wir alle unterschiedlich und einzigartig sind. Jeder hat seine Träume und Meinung und alles, was ich sehen kann, ist: Gleichheit.

Und jetzt im Chor: Wir sind alle individuell!

Es ist toll, zu glauben, dass man “anders ist”, aber buntere Haare als der andere machen aus einem noch keine große Persönlichkeit. Etwas zu tun, weil man denkt, es kommt bei anderen gut an, macht keinen eigenständigen Menschen aus uns. Nach Thailand fliegen, weil das alle gerade tun und ‘”einfach so schön aussieht”, macht uns nur noch mehr zu geformten Puppen, auch wenn wir dabei darüber reden, dass wir aber “unbedingt die Elefanten retten wollten”(Spoiler Alert: wollen auch alle).

Wenn wir doch  alle anders und einzigartig sind, wieso sollen wir dann alle noch das Gleiche wollen? Ehe, Kinder, Bürojob, drei Wochen Urlaub = die Formel für Glück?
Wie kann das Ziel von jedem das Selbe sein, wenn wir doch vehement behaupten, ein kreatives Individuum, was dazu in der Lage ist, selbstständig zu denken und zu handeln, zu sein?

Vielleicht haben wir zu viel Auswahl

“Der heutige Mensch ist bereit, große Risiken auf sich zu nehmen beim Versuch, die Ziele zu erreichen, die angeblich “seine” Ziele sind, aber er hat eine tiefe Angst davor, das Risiko und die Verantwortung auf sich zu nehmen, sich seine eigene Ziele zu setzen. Eine intensive Aktivität wird oft irrtümlich als Beweis dafür angesehen, dass man sein Handeln selbst bestimmt, wenn wir auch wissen, dass es vielleicht nicht spontaner ist als das Verhalten eines Schauspielers oder eines Hypnotisierten. Wenn die Rollen verteilt sind, kann jeder Schauspieler mit Elan seine Rolle spielen und sogar improvisieren. Aber er spielt doch nur die Rolle, die ihm übertragen wurde. Dass es so schwer ist zu erkennen, bis zu welchem Grad unsere Wünsche – wie auch unsere Gedanken und Gefühle – nicht wirklich unsere eigenen sind, sondern uns von außen eingegeben wurden, hängt eng mit dem Problem von Autorität und Freiheit zusammen.” – Erich Fromm

Vielleicht haben wir viel und wollen alles und vielleicht reicht auch das nicht. Vielleicht wollen wir mehr Leben in weniger Zeit und mehr Rausch als Festigkeit und vielleicht wollen das nicht alle, sondern ich, oder jemand anderes. Vielleicht lesen wir das genormte und auf uns angepasste Leben, während wir immer lauter nach Individualismus und Freiheit schreien, nur weil wir uns dabei fühlen, als würden wir um etwas Wichtiges kämpfen, ohne darüber nachzudenken, was genau wir dann in dieser Freiheit machen wollen und vor allem: mit wem?

Vielleicht will ich gar nicht Mutter oder Frau sein, sondern ich. Vielleicht will ich gar nicht heiraten und vielleicht muss man dafür gar nicht “den Richtigen” treffen, wenn du weißt, dass das gar nicht von jemand anderem abhängig ist, sondern im Endeffekt nur von dir selbst.

 

 

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2 Comments

  • Reply Celine 8. Juni 2018 at 14:45

    Das ist wirklich ein richtig, richtig schöner Beitrag geworden und die Bilder gefallen mir auch sehr gut!
    Hab einen schönen Freitag und ein schönes Wochenende.

    XX Celine
    von http://www.celinesofficial.com

    • Reply fashionlunch 9. Juni 2018 at 21:44

      Danke dir für deinen Kommentar, das freut mich sehr!

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