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#taratalks: 2,4 Millionen ist nicht nur eine Zahl [Werbung]

21. Dezember 2018

Weihnachten 2017

2,4 Millionen. Pro Jahr. Das ist eine große Zahl, viel größer als gedacht. Das nützt dem schluchzenden Haufen Elend neben mir im Bett aber auch nichts. „Ich, ich weiß auch nicht, wie das passiert ist, du weißt doch, dass ich nicht so bin, ich bin nicht so, ich bin nicht so, ich bin nicht so….“ 

Die Selbstkasteiung geht weiter und – darf man das sagen, wenn man trösten muss? – ich kann das Rumgejaule nicht mehr hören.
„Ich kann das Rumgejaule nicht mehr hören“ sage ich ihr genau so und sie hält inne – verdutzt, über die Heftigkeit meiner Worte.

“Wusstest du, dass Verhütungspannen rund  2,4 Millionen Mal im Jahr passieren? Du kannst die Pille Danach überall rezeptfrei in der Apotheke holen. Es ist nicht der Untergang der Welt. Komm auf die Füße.”

24 Stunden vorher. Wir sind bei mir. 

“Meinst du, dass er auch da sein wird?”
Sie hat einen neuen Crush. Irgendein Typ von Tinder, wie man sich halt heutzutage dated. Büro und Tinder, was sonst? Wahrscheinlich beides gleichzeitig. Und heute ist die Weihnachtsparty der Firma und auch da wissen wir, was genau das bedeutet …

17 Stunden vorher. Weihnachtsparty.

Das Kleid glitzert. Sie sieht fantastisch aus. Und das sieht er auch. Sie kichern zusammen, kommen sich näher, und ich weiß, dass heute Nacht etwas passieren wird. Ich winke sie zu mir, stecke ihr ein Kondom zu. Sie zwinkert mir zu, “weiß ich doch” sagt sie, “ich weiß” sage ich und am Ende wissen wir beide, dass sie sowas gerne mal vergisst nach 1,2,3,4 Wein und 1,2,3,4 wilden Küssen mit dem 1…mit dem Einen.

Und dann, die SMS, der Anruf, das Schluchzen, “ich weiß nicht, wie das passieren konnte, was mache ich denn jetzt … ” und die Scham, die sie davon abhält, rational zu denken. Ich weiß, was jetzt zu tun ist: Ab in die Apotheke.

Pannen im Bett passieren häufiger als gedacht – und sollten nicht zu Scham führen

Tatsächlich ist das ja alles noch immer ein Tabuthema. Frauen, die ein selbstbestimmtes Sexualleben haben, werden ja direkt erstmal abgestempelt. Wenn sich Frau dann allerdings im Eifer des Gefechts nicht schützt, ist sie “selbst Schuld” – und niemals der Mann. Weil der wird ja nicht ungewollt schwanger.

So einfach ist das aber nicht.

Verhütung ist eine Sache von beiden Seiten. Doch trotzdem herrschen hier noch immer mittelalterliche Vorstellungen. Daher bin ich schon immer ein Verfechter von Selbstbestimmung gewesen – auch im Bett. Ich kümmere mich darum, dass ich gesund bleibe oder nicht schwanger werde.

Und wenn mal eine Panne passiert?
Selbst wenn man an alles denkt, kann es schlichtweg passieren, dass ein Kondom kaputtgeht. Das ist aber kein Grund, Angst vor einer bevorstehenden Schwangerschaft zu haben. Die Pille Danach steht als Symbol für Schutz, wenn mit der Verhütung mal was schiefgegangen ist. Zu wissen, sich in solch einer Pannensituation noch beschützt fühlen zu können und im Fall der Fälle in die Apotheke gehen zu können ist großartig.  Die Pille Danach verschiebt bei rechtzeitiger Einnahme den Eisprung um ca. 5 Tage. Ein Zusammentreffen von befruchtungsfähigen Spermien und Eizelle wird so verhindert. Die Pille Danach ist also keine Abtreibung! Und auch die Nebenwirkungen sind meist nur leicht und klingen von selbst wieder ab. Das Vorurteil Hormonbombe stimmt somit auch nicht. 

Weihnachten 2018. Wir sind bei mir. Schon wieder.

Sie gluckst neben mir. Verliebt wie am ersten Tag, die beiden. “Jetzt hör doch mal auf, SMS zu schreiben, du bist doch gerade bei mir” schimpfe ich mit ihr – nicht ganz ernst gemeint. Sie rollt sich vom Rücken auf den Bauch, “Jaaaha”, verdreht theatralisch die Augen. Typisch. Ernst, das kann sie selten. Und doch, sie wird ruhig: “Weißt du, Tara, letztes Jahr, du hast mir echt geholfen. Die Panne mit ihm … ich meine, wir sind zwar noch zusammen, aber ein Kind, jetzt? Du hast mir echt geholfen… alleine, alleine hätte ich mich nie getraut”…

“Aber du wusstest auch nicht wirklich, dass du einfach nach der Pille Danach, deinem persönlichen Schutz, fragen kannst, oder?”
“Nein. Nein, das wusste ich tatsächlich nicht.” – sie dreht sich wieder auf den Rücken und schaut an die Decke – “Aber ich denke, man sollte das auch nicht ausnutzen. So nach dem Motto “Ach, zur Not gibt es ja das.”
Ich lache: “Nee. Auf keinen Fall. Das wissen die meisten aber sicher. Es geht ja nicht um eine Dauerlösung. Sondern um eine Rettung. Ein bisschen wie ein Silberstreifen am Horizont. SOS. Die Rettung in Not. Ein Bernhardiner in den Alpen…….”
“…oder so ein bisschen wie du.”, sagt sie.
Stille.
Damit es nicht zu romantisch wird, rolle ich mich zu ihr und drücke ihr ein Kissen ins Gesicht. Sie fängt schallend an zu lachen und japsen.
“Du bist auch meine beste Freundin.” sage ich.
Hat sie vielleicht nicht gehört.
Aber wahrscheinlich schon.

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2 Comments

  • Reply Diana 24. Dezember 2018 at 0:57

    BAM right on point
    War auf beiden Seiten und sowas nicht alleine durchmachen zu müssen, tut echt gut. Danke dir und allen die in solchen Momenten füreinander da sind!

    • Reply fashionlunch 2. Januar 2019 at 11:40

      Ich danke dir sehr für deinen Kommentar, liebe Diana!

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