#taratalks LIFESTYLE

#taratalks: Fundament

20. November 2018

Ich hatte letztens in einer Bar mit einem deutschen Namen in einem anderen Land als Deutschland ein Gespräch über Liebe. So könnte ein Roman beginnen, aber das, das ist mein Leben und du, du warst das auch.

„Ich denke“, sage ich zwischen zwei Schlücken von meinem Bier, „dass, wenn man sich liebt, man sich auch für immer lieben kann. Wichtig ist nur, dass das Fundament nicht kaputt ist. Vertrauen. Dass man jemandem nicht mit Absicht wehtut. Dass man einfach, egal, wie viel Streit ist, egal, wie viel, wie oft, was auch immer – man ist da.“

Und während ich so spreche und wahrscheinlich nur mich selbst überzeuge (n will), sehe ich dich an, du sitzt mir gegenüber und ich fühle alles, was ich jemals für jemanden gefühlt habe. Alles auf einmal. Meine Zukunft und meine Vergangenheit und mein Jetzt und du bist mein Hier und „Hier“ bedeutet „Gestern“ auf Französisch und vielleicht hängt das alles zusammen, und vielleicht hängen wir zusammen.

Ich sehe dich an und denke an die Zeiten, in denen wir uns anschreien und deine „Abers“ die mich mehr treffen, als du denkst. Ich denke an „ich würde dich ja heiraten, aber…“ und schaue mich abends im Spiegel an, seit Monaten, und frage mich, wieso ich immer nur ein „aber“ bin und eigentlich nie ein „ja“.

Ich denke an die Ängste die ich habe und wie du mit ihnen spielst, wie du „genervt“ warst, „nicht schlimm, oder?“  Sachen gesagt hast, die man so sagt, aber nicht meint und dann sagst du mir, dass du mich liebst – und woher weiß ich, dass du meinst, was du sagst.

Ich denke an deine Finger und wie sie meine Haare streicheln und ich denke an deine Augen, die die Farbe vom Lebkuchen haben und an den Weihnachtsmarkt, auf dem wir nie zusammen alleine waren oder an Weihnachten und wie ich es seit Jahren in einer zerrütteten Familie verbringe, die sich einen Scheiß für mich interessiert und ich interessiere mich einen Scheiß dafür, ob du das „nur so“ gesagt hast, wenn du mich küsst und ehrlich bist, aber…

… ich lache zu viel und über mich selbst zu wenig, ich bin zu ehrlich und eigentlich zu laut, ich bin paranoid und krank und ein Kind und die Beste der Welt und am Ende weiß ich nicht mehr, was ich glauben soll und ich vermisse die Zeit, die mir zeigt, dass es gut sein kann und dass du mich manchmal auch verstehen kannst und auf Angst und Ängste meinerseits mit einer Umarmung und Liebe antwortest anstatt knallenden Türen und einem „du bist lächerlich“.

Ich bin sicher, dass Liebe da ist, für immer, wenn man will, wenn man sich die Mühe gibt. Ich bin sicher, man kann zusammen sein, wenn man zusammen sein will, und das Wichtigste dabei ist Kommunikation und Verständnis.

Ich brauche einen Grund und kein Dach, ich brauche eine Umarmung, die ein Haus um mich baut und mir ein Zuhause gibt. Ich brauche Ehrlichkeit als Dielen und ich will nicht jedes Mal brechen und knacken, wenn man über mich läuft. Ich will lichtdurchflutet sein. Ich will Wärme speichern. Ich will dein Zuhause sein und ich will, dass nur mein Schloss zu deinem Schlüssel passt.

Aber ich, ich hatte schon immer eine andere Idee von Liebe und Heimat.
„Heimat“, das hast du mal zu mir gesagt, aber wer weiß, wem noch, wer weiß, wie oft, wer weiß, mit wem du sonst auf welcher Sprache über andere Häuser redest, denn ich, ich bin alleine im nächsten Zug, weg von der Stadt, in der wir irgendwie zusammenleben, aber alles nicht offiziell und nichts davon konkret, denn, wir wissen es, alle, beide, mein Spiegelbild:
Ich bin nicht dein Ja, ich bin nur dein „aber“.

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply