LIFESTYLE

#taratalks: Wieso dir die Welt nichts schuldet

7. Januar 2019

“Das habe ich mir einfach verdient!” ist ein Satz, den ich nicht mehr hören kann.
Vorzugsweise hört man genau diesen Satz nämlich von Leuten, die in ihrem Leben bis jetzt noch nicht viel geleistet haben, außer BWL an einer FH in NRW zu studieren, in einer 1-Zimmer-Wohnung wohnend, die Papa bezahlt, weil “Uni ist echt voll anstrengend, Daddy und WG ist gar nichts für mich, das Badezimmer da und so, das putzt ja niemand…(ich auch nicht)”.

Millenial-Bashing ist uncool – ein verwöhntes Balg zu sein aber auch

Sowieso, man kann gerade alles und jeden “bashen”. Selbst das Wort per se ist ein Millenial-Wort. Allerdings kann man auch nicht alles, was ansatzweise Kritik ist, als Bashing deklarieren, um sich der Worte nur nicht annehmen zu müssen – das, was das “die sind nur neidisch auf mich” von früher ist, ist heute das “das Internet liebt Millenial-Bashing”

Tatsächlich ist das aber mehr. Tatsächlich ist es nämlich so, dass dir Welt und dein Arbeitgeber und dein Freund einen Scheißdreck schuldet.

Ich höre, egal, wo ich bin, immer nur die selbe Leier, die am Ende auf das Selbe hinausläuft: Die Welt ist furchtbar unfair und man selbst wird verkannt.

Da ist der Chef, der einfach „voll unfair ist“ und tatsächlich erwartet, dass man für sein Geld arbeitet. Generell ist er eh gemein, weil er ein Mann ist und es ist gerade einfach supertrendy, Männer und ihre Argumente und Existenz doof zu finden.

In dem Glauben, dass man definitiv was Besonderes ist, läuft meine Generation also in der Welt herum und wechselt von Job zu Job zu Job, weil niemand die angestrebten 80.000 im Jahr zahlen will, obwohl man doch STUDIERT HAT! (So wie 90% der Millenial, die eigentlich nur „nicht genau wussten, was sie nach der Schule machen wollen, weil die Welt so viele Möglichkeiten hat und man selbst so viele Talente….). Und wenn man dann scheitert, liegt es niemals am persönlichen Versagen, sondern weil „der Chef…“ oder „der Freund heute Morgen aber…“ oder „ZARA hat gerade Sale und deswegen…“.

Wie soll man wachsen, wenn man immer etwas erwartet und nie aus seinen Fehlern lernen will?

Die Masseneintrichterung, dass alle GANZ TOLL sind und auch ALLES können und ALLES verdient haben, einfach so – ohne was dafür zu tun, außer zu atmen – lässt die Leute unglaubliche Vorstellungen darüber haben, wie das Leben und die damit verbundenen Beziehungen zu laufen haben. Man hat unwirkliche Erwartungen an den Partner, an die Arbeit, an Freundschaften und wenn etwas beendet wird, liegt es immer an dem anderen. Und dann kommt die Clique auf Weinchen und Weinen und Schoko-Brownie-Eis vorbei und beim Kollektivschluchzen wird Leni-Marie dann darin bestätigt, dass sie DEFINITIV was Besseres verdient hat als Christopher/Maximilian/RandomTyp und er zu 100% zurückgekrochen kommt, weil er ganz bestimmt nie wieder eine so tolle Victoria Secret Unterwäsche tragende und YSL Black Opium besprayte und Sex and the City liebende Frau finden wird, weil sie, GENAU SIE, einfach das Gelbe vom Ei ist, besser als der Rest und ihr die Welt gehört, weil sie…naja. Existiert.

Talentfreie Leute werden zelebriert und gelten als Vorbild – Kim Kardshian macht es vor. Doch die Frage ist, wie lange das noch gut geht? Wie lange funktionieren noch die Werbeplakate, die uns erzählen, dass wir alle und ganz dringend was gönnen müssen, dass wir alle alles verdient haben, ohne Frage, ohne in Frage zu stellen, ohne in Frage gestellt zu werden, denn Kritik bedeutet nichts als Neid und Lüge und überhaupt, wie findest du meinen neuen MAC Lippenstift?

Ihr seid bestimmt toll – wenn ihr aufhört, euch alles zu nehmen, ohne was dafür zu tun

Ich hatte 2018 viele Zerwürfnisse, aber auch einige Zusammenfindungen. Menschen, die gegangen sind – und wiedergekommen. Leute, die an sich gearbeitet haben. Ich mit am härtesten. Auch ich dachte „Hey, ich bin doch intelligent genug, das klappt schon“. Was genau? Alles. Irgendwann.

Aber nein. Tut es nicht. Denn wenn ich mich weiterhin irgendwo hinsetzen und darauf warte, dass ich das kriege, was ich verdiene, dann passiert: Nichts. Denn man muss sich, auch wenn meine Lehrer mir und uns allen und jedes Magazin es anders eingetrichtert hat, sich seine Dinge verdienen. Und dazu gehört ein bisschen mehr als Atmen und Selfies schießen.

Ich sage nicht, dass alles schlecht ist. Ich sage nur, dass es endlich gut werden soll. Besser zumindest. Und das kann nur passieren, wenn jemand damit anfängt, nicht von sich selbst zu denken, schon die Beste zu sein.

Ich habe damit angefangen. Und es war hart, mir einzugestehen, dass ich so war.

Und ihr?

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